Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Literatur
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 11)
- Language
- German
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unsre Liberalität oder vielmehr unsre Gerechtigkeit uns reuen zu lassen? Ich verabscheue Intoleranz; und doch kann ich Toleranz kaum als eine Tugend ansehen. Wie? hat denn der schwache und irrende Mensch ein Recht, seinem Mitgeschöpf Erlaüb niß zu Jeden, dem höchsten Wesen seine Verehrung darzubringen? Fühlte ich mich nicht wie zurückgehalten von der fernem Verfolgung dieses Gegenstandes; so könntö ich darthun,' daß die Idee einer solchen Erlau bniß öder Toleranz Gottlosigkeit sei! Ich begnüge mich aber, Ihre Aufmerksamkeit auf das Zu richten / was in diesem Lande die Wirkungen davon gewesen sind,/daß man die Religion hat bloß von der Kanzel lehren, oder sie in früher Jugend denGemüthsrn hat einprägen lassen. Wir müßten, welches, Gott sei Dank, nicht der Fall ist, weniger ächte Religisn iw diesem Lande haben, als in irgend einem andern, wäre die Dazwischenkunft der Regierung nöthwendig zu ihrer Un- Lerstützung. Das würde die natürliche Folge davon fein. --- — Nur erst vor wenigen Tagen las ich in einem der Zeitungsblätter von Baltimore die Nachricht von einer öffentlichen Prüfung in dem vornehmsten gelehrten Seminar dieser Stadt. Dem Sohne eines Juden, etwas über zwölf Jahr alt, wurde der erste Preis in jedem Unterrichtszweige zuerkannt; und die schönste Krone für ihn war das Zeugniß, alle seine Mitschüler in sittlich guter Aufführung übertroffen zu haben, wie er ihnen an Geistesgaben überlegen sei. Ich gestehe es, mich schmerzt der Gedanke, daß die Talente, die Wissenschaft und das verdienstvolle Betragen dieses Jünglings zu keinem der Aemter und Ehrenstellen des Staates, worin er geboren