Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein von Moses Medelssohn an den Pastor Hesse im Jahre 1770 erlassenes Schreiben
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 2)
- Language
- German
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?4° als tim der Vernunft gebilligt wird. Ich würde mir . die Freiheit genommen haben, Ihnen das gedruckte Av.twortschrciben des Hrn. L. nebst meiner Nacherinncrung zu überschickcn, wenn mir nicht besagter Freund zuvorgekommen wäre. — Wären Ihre Anmerkungen mir einige Wochen früher in die Hände gekommen, vielleicht hatte ich einige derselben ׳ nicht unbeantwortet lassen könncn. Das Argument, z. B. von unserem bürgerlichen Elend auf die Unwahrheit unserer Religion, ich erstaune, daß man dieses noch immer geltend machen will. Diese Art zu schließen scheint mir nicht nur unphilosophisch, sondern sogar dem Geiste des Evangeliums zu widersprechen. Was hat Jesus und die Apostel mit mchrcrem Nachdruck cinzuscharsen gesucht, als daß man vom Zeitlichcn nicht aus das Ewige schließen soll? Könnten wir nicht alle bürgerliche Vorthcilc und Vorzüge genießen, wenn wir, wie unsere Brüder in Portugal und Spanien gcthan, nur heucheln wollten? Lebten jene, und leben ihrer viele nicht noch in dem blühendsten Wohlstand, in bürgerlicher und politischer Ehre? Und die von uns zur mahomedanischen Religion übergcgangen, haben gewiss ihren Ncligionszustand nicht verbessert,׳ dcsiomchr aber ihre zeitlichen Umstände, Sie mögen heucheln, ober in Wahrheit türkisch gesinnet sein, so steht ihnen der Weg zu. Und von der andern Seite, lebt nicht ein großer und gewiß nicht verächtlicher Thcil-der Christenheit selbst hier in bürgerlicher dort in kirchlicher Unterdrückung? Wie lange haben unter ihnen nicht die wenigen Edlen unter dem Joche des Aberglaubens und der Heuchelei seufzen müssen, bis es der Vorsehung gefallen, ihnen