Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Geduld
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
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Von fccs Lenzes erstem Duft umflogen, Hebet frischer Lcbcnsmuch die Brust; Freundlich glänzen die bewegten Wogen, Auf der Mcercsflächc schwebt die Lust. Alles will das junge Herz erringen, Jedes Hindern sinket in das Nichts; Frei erhebt die Seele ihre Schwingen 2» dem Raum des Aethers und des Lichts. Doch verblichen sind die Hellen Farben, Und verschwunden die geahnte Pracht — Arme Blumen, die im Lenz crstarbcn, ׳ Wer beschützt euch vor des Winters Macht! — Frei regiert der Gram und immer freier. Alle Blüthcn nagt er feindlich ab, Jede Freude deckt ein dunkler Schleier, Und die schönsten Hoffnungen daS Grab. Und die nächtlich düsteren Gewalten, Dringen auf das arme Herz heran; Wollen in dem neuen Reiche schalten, Welches Unglück rettungslos umspann. Alles was es hoffte, was es glaubte Scheinet in die Finstcrniß entstehn — Und Verzweiflung mit dem Schlangenhaupte Greifet nach der sichern Beute schon. Da entringt den fertigen Regionen, Wo der Menschheit höchste Hoffnung lebt,' Wo die Genien des Lebens thronen, Sich ein Seraph der zur Erde schwebt.