Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Marburg [Nachricht]
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nation insbesondere in verschiedenen Zeiträumen verlebt, recht ernstlich erinnern; wollen abermals die Vergangenheit mit der Gegenwart.vergleichen, und tröstende Hoffnungen schöpfen für die Zukunft. Unsere gegenwärtige Festlichkeit — die Einweihung unserer Synagoge, beut uns dazu die schicklichste Gelegenheit dar. Als noch, (und das ist noch nicht gar lange her!) die Finsierniß des Irrglaubens und der Unduldung die menschlichen Gemüther umhüllte, ach! da war cs einem großen Theil der Erdbewohner nicht vergönnt, ihren Schöpfer nach ihrer eigenen Weise und Meinung öffentlich zu verehren! Wer kennt nicht die zahllosen Ereignisse von Jammer und Elend, die jener heillose Irrwahn über das Menschengeschlecht gebracht, wer kennt nicht den in Bruderblut getauchten Stempel, der die Blätter der Zeitgcfchichte befleckt, und bei dessen Anblick Erinnerung Schrecken und Grausen den Menschenfreund ergreift. Vorüber ist dieser grausame Wahn, verscheucht das düstere Gewölk der Unduldung und Verfolgung durch die wohlthätige Sonne der Vernunft und der Menschenliebe. Ungestört, öffentlich und frei darf jetzt der Mensch seinem Gotte nach seiner ihn beseeligenden Meiunng, nach seiner G läubensweife dienen; nicht hindert ihn mehr die Menge der Andersdenkenden, Andcrsglaubenden, nicht mehr verkennt der Mensch durch die Form seines Glaubens — den im Ebenbilde des Herrn — des Vaters aller Menschen, gcschaffencn Mitbruder. Die Verschiedenheit des menschlichen Glaubens ist nicht mehr d׳'e Verschiedenheit der menschli-