Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- An den Herausgeber der Zeitschrift Sulamith
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 292 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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beliebt dem Herrn? war die Frage des freundlichen Wirths, und schon die Muttersprache, die -wir hörten, that uns wohl, wir erhielten, was ׳wir verlangten und nämlich in den kleinen Wirthschaftcn vorhanden war, gegen b i llige Bezahlung, die ärmern und kranken Soldaten umsonst, und oft sogar ungefordert. Traf es sich, daß wir gerade am Festtage ein jüdisches Haus betraten, so waren wir oft Zeugen jener patriarchalischen Sitten, jener ungeheuchelten Frömmigkeit , jener nur im häuslichen Glück lebenden Zufriedenheit und Gastfreundschaft, die die heiligen Bücher des alten Bundes uns so schön schildert. Hier hatten wir Gelegenheit, die Gelehrigkeit, die- Unbefangenheit und oft wirklich recht .g^ten Sitten der Knaben, und die Unschuld und Herzensreinheit so manches aufblühenden Mädchens ju sehen und zu bewundern. Welche Ehrfurcht gegen das Alter, welche Andacht in ihrem Tischgebet, welchen Gehorsam gegen ihren Lehrer, welche Enthaltsamkeit von unsittlichen und frechen Reden. Ne.in! gab es auch hier und da Ausnahmen, so waren sie doch selten, und welches Saatfeld reift wohl ohne Unkraut. Zn Radomskoi, wo wir uns einige Zeit aufhalten mußten, waren wir Zeugen einer jüdischen Hoch^it. Wahrhaft idyllisch war es anzusehen, wie die reizendsten jungen Frauen bei Cyther und Cymbel, um das junge Paar den festlichen Tanz begannen. Gesundheit, Frohsinn, und ein schuldloses׳ Herz sprachen sich hier rein aus, und die Würde und der patriarchalische Ernst der Ceremonie der Trauung selbst, gab uns die Erklärung von der Heiligkeit und Unverletzbarkeit der jüdischen Ehen.