Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Gedanken
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 2)
- Language
- German
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204 So überzeugt ich aber von der Wahrheit meiner Meinung bin, eben so sehr kann es mein Nächster von der seini'gen auch sein; wie kann ich von eines Andern! Ueberzeugung mtheilen? Sollte ich die alle für Feinde | der Wahrheit, oder für Heuchler halten, denen das I Wahrheit ist, was m ir eine wahre Unmöglichkeit deucht? j ״Aber der Irrthum ist zu gefährlich — die Ehre, ן die ich der Wahrheit; die Liebe, die ich meinem irrenden t Nächsten schuldig bin, fordern es von mir/ ihn von fei- | mm Zrrthum, wo ich kann/zurückzubringen." ß -Dieß bleibe ich freilich schuldig, so lange ich diesen | Entzweck vernünftig, das ist durch bessere Bes lehrung erreichen kann; wo ich dieß aber nicht kann, p da bleibt es Grausamkeit, wenn ich den , der schon durch jij seinen Zrrthum unglücklich ist, durch die Entziehung meit ner Liebe noch unglücklicher machen wollte." > ״Allerdings, sagt der Intolerante, ich muß ihm die j Freiheit zu denken lassen, und ich kann Hm seiner Irr-; thümer wegen , meine Liebe nicht entziehen, so lange ich * ihn nicht eines Bessern überführe; aber Wenn ich ihm seinen Zrrthum beweise, und er bleibt dennoch dabei , so ist es Halsstarrigkeit und Eigensinn. Was gewinne ich aber durch- Zwang? Nichts mehr als dieß , daß ich einen Heuchler mache- und ihm seine Ruhe raube,' ihm meine Meinung noch gehässiger mache, und ihn in der steinigen so viel mehr bestätige. Der Irrende hat über mich immer eben das Recht; der Bekenner der Wahrheit, und der Irrende ist hier also immer in gleicher Gefahr der Verfolgung — der Eine führt dieselben Gründe an, sobald er die Oberhand behalt, die der Andere anführt, I