Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Einige Worte über Nutzen und Schaden einer aufgeklärten Erziehung
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 2)
- Language
- German
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noch habe ächtes Gefühl für Religiosität, Einfachheit der Sitten, Biederkeit und Aufrichtigkeit geherrscht, die mit der Aufklärung von der Erde verschwunden wären. Diese habe den Menschen seiner wahren Bestimmung ganz untreu gemacht, Frivolität und Unglauben herbeigeführt und Grundsätze von Freiheit und Ungebundenheit geschaffen, die des Unglücks und Elends genug schon über Europa verbreitet hätten. Ihr verdankten wir jene Gleichgültlgkeit und Kälte gegen das Sittliche und Gute, ihr die Erstickung aller größer» und'-höher» Gefühle, die Verachtung und Herabwürdigung alles Göttlichen, welche, über hohe, und niedere Stände sich verbreitend, uns von dem Sonnengipfel des kindlichen Glaubens an das Heilige, in die tiefen Abgründe des Vernunftthums, der Selbstsucht, und des Epikureismus hinabgestoßen und dem wahrhaft religiösen Sinne so entfremdet habe, daß es beinah eine Schande sei von göttlichen Dingen zu sprechen. Selbst die scheinbare Milderung unserer Sitten wäre nichts, als niedrige Gleisnerei, und Verstellung. Unter freundlichen Mienen und glatten Worten verberge man die schändlichsten Tücken; das Lastet werde nur verabscheuet und bestraft, wenn es den äußern Anstand verletze; wurde dieser beobachtet, so könnten selbst die größten Verbrechen mit dem Namen der Tugenden glänzen. Ueberall sei Sinnlichkeit und Eigennutz die Triebfeder aller . Handlungen, nirgends mehr reiner Enthüssiasmus für das Gute, nirgends Wärme und Gefühl, überall Kälte und Konvenienz. Hart sind diese Vorwürfe, aber wahrlich nicht ganz ungerecht, wie jeder bessere Mensch fühlen muß, der einen unbefangenen Blick auf das Treiben der