Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Feder und der Degen
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 412 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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412 VI. Die Feder 11 n5 der Degen. (Eine orientalische Dichtung, aus dem hebräischen Buche Tachkemo ni, von Rabbi Jehuda Charisi.) Es war in einer stürmischen Nacht, — erzählte He« manHasarchi, — als Schlaflosigkeit mich auf mei. nrm Lager umher werfen ließ. Das Brausen von Außen erregte Sturm in mein Inneres; jeder Windstoß drang mit der rauhen Musik feiner Töne gewaltsamer in mein Herz, und die mich umgebende Düsternheil der Nacht har« monierte gräßlich mit meinen dämmernden Gedanken und ahnenden Empfindungen. Plötzlich vernahm ich das Rau« schen eines menschlichen Fußtritts unter meinem Fenster und bald darauf ein heftiges Pochen an die Thüre meines Hauses. ״Wer ist's. rief ich, der so spat noch bei mir ein« zukehren verlangt?" ״Ein armer Wanderer, ließ sich kläglich eine Stimme hören, der, von seinem Wege ab« gekommen, ein gastfreundliches Obdach sucht." Der jam« mervolle aber energische Ton dieser Worte drang wie ein scharf geschitzter Pfeil in das Innerste meiner Seele. Ich rief sogleich meinen Diener und befahl ihm Licht anzuzün« den und dem Fremden die Tbüre zu öffnen. Ein Mann, ln ein zerlumptes Gewand gebullt, mit einem kleinen Bün« del unter dem Arme und einem Wanderstab in der Rech, ten, trat in mein Zimmer und grüßte mich mit einer ehr« erbietigen Vertraulichkeit. Ich reichte ihm die Hand und