Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gedanken und Ansichten, die Israeliten betreffend
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 7)
- Language
- German
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598 - Israeliten in religiöser Hinsicht noch vereinigte, sondern auch dir einzelnen Familienverhältnisse zersplittert, und erzrugen noch fortdauernd manche Dissonanz im Leben. — Wenn ehemals die Anhänger des Judenthums das Gottes» Haus betraten, so war es ein Geist, der Me beseelte: der Kultus erweckte Theilnahme bei Jedem, weil Einer wie der Andere dachte und fühlte und mit seinem Zeitalter gro'ßtcntheils übereinstimmte. Wenn der Haus« Vater im Kreise seiner Familie die religiösen Ceremvnien mit frommen Sinn beobachtete: so ergriff dieser Sinn alle Mitglieder der Familie; denn das geheiligte Band der Religion hielt sie zusammen, und der Sohn und die Toch« ter waren in Gesinnungen und Handlungen daS Abbild ihrer Eltern. Und wenn auch die ganze Korporation, ih» ren eigenen Weg gehend, von allen übrigen Völkern abge» sondert blieb: so war sie doch in sich und mit sich einig. Aber wie ganz anders ist cs nun! Der Geist der Uneinig, feit und der religiösen Anarchie ist in vielen Gegenden lei» der vorherschend. Fast jedes Familienmitglied hat jetzt sein eigenes Religionssystem, das oft mit der Denkweise der übrigen gerade im Widerspruche sieht. Der Vater hängt oft treu an dem, was Zeit und Gewohnheit ihm lehrwürdig gemacht haben, und zum Manne geworden in diesem Glauben, vermag er auch n>cht sich davon zu trennen. Schon den Gedanken, daß manches anders sein könnte, sein müßte, halt er für ein Verbrechen, und diejenigen, welche die Nothwendigkeit einer Verbesserung zu denken und zu beweisen wagen»für verächtliche, von Gott abge« fallene Ketzer, deren Thun keine ernstliche Prüfung ver»