Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gedanken und Ansichten, die Israeliten betreffend
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 4)
- Language
- German
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395 Menschen, wenn seine Weisheit das Band;«treifft , das ihn mit Gott, seinem Vater, verbindet; fle nimmt ihm alsdann die kräftigste Stütze im Leben und im Sterben, und raubt ihm seine Menschheit, indem sie ihm die Gottheit entzieht. Oie Natur selbst hat ihren schön« sten Reiz verloren, wenn sie der Mensch ohne Aufblick zum Heiligsten, ohne religiösen Sinn betrachtet; ihre Schönheit und Ordnung vermag ihm sodann keine Er« Wärmung, keine Erhebung zum Urqmll aster Schönheit und Ordnung zu geben; ihre Anschauung läßt keine höhere Verbindung, keinen moraitschen Zweck, keinen ordnenden Geist erblicken. Daher hatte das Hcidrnthum keine so an« ziehende Nalurschilderungen, als die Bekenner des Mono« theismus haben — denn bei der zahstosen Menge ihrer Götter fehlte ihnen die Gottheit, die cinzige und einige, die Weltsysteme und Gewücm im Staube durch Liebe leitet und erhalt. Dieß bestätigt die Erfahrung von den heiligen Sängern der Psalmen bis auf Thom« fon und Hirschfeld. Aber nur alsdann vermag die Religion Wohllaut und Harmonie in Alles zn bringen, wenn sie wahrhaft göttlich ist: wenn sie reine Estteserkenntniß, Vereh« rung des höchsten Wesens und Menschenliebe lehrt» wenn sie Forschen nach Wahrheit und uneigrnnütze llebung jeder Lugend fordert. Wird eine Abweichung hiervon etwa im Namen der Religion gelehrt: so ist dieses nicht ihre Stimme — denn sie will den Menschen in seinem Wesen veredeln und der Quelle der Vollkommenheit immer näher bringen. Siehe, das ist die Stimme Gottes im Menschen, da-