Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gedanken und Ansichten, die Israeliten betreffend
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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V. Gedanken und Ansichten, die Israeliten betreffend. (Bruchstücke aus einem größerm Aufsatze.) Der Mensch mit seiner VervvllkommnungsfZhigkeit kan« allein und ohne weitere Beziehung den Zweck seines Lebens, alS moralisch freies Wesen, unmöglich er. reichen; er muß etwas außer sich haben, woran er seine Wünscht und sein Streben knüpfen kann. In seinem In. nern trägt er ein Ideal der höchsten Vollkommenheit, dessen Urbild er außer sich sucht, und dem immer naher zu kommen er sich mit aller Kraft bestrebt. Hier, in der Vorschule des Lebens, steht ihm sein Ebenbild, der Mensch, am nächsten; er schmiegt sich gesellig und vertrauend an denselben, und entwickelt sich und reift nur an ihm und durch ihn. Allein dieser befriedigt ihn nicht völlig, und kann daher sein letzter Wunsch, sein letztes Ziel nicht sein. Eia Wesen das als Inbegriff aller möglichen Voll« kvmmenheit auf der höchsten Stufe der Natur steht und Allem erst Sinn und Bedeutung girbt, ist es, das er ahnet und nach welchem er im unendlichen Kampfe hinauf strebt und ringt, ohne dasselbe je ganz erreichen zu kön« nen; aber dieses Streben und Ringen nach dem Prototyp des menschlichen Geistes, diese ewige Sehnsucht, sich mit dem Wesen zu verbinden, dessen Bild sich in unserm Geist und Herzen spiegelt, ist die höchste Seligkeit, deren ein erschaffenes Wesen fähig ist.