Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Auszüge aus einem Tagebuche
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2304627-2304640-2304642-2307006--04321-2307358- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
212 Das sollte der Zweck aller Bildung sein, diese freund» liche Stimmung, welche letzt nur einzelne Augenblicke be« seeligt, fest dem Herzen zu vereinen; damit das grelle Spiel des Lebens an ihm vorüdergehe, ohne es zu verletzen; damit es, Höher» gleich, Anderer Schwachen lie« bend ertragt, und rein bleibe in der allgemeinen Verwir. rung. Aber dir Leidenschaften übertauben die Stimme der Liebe; das funge Herz kann dem Strome des Lebens nicht widerstehen, und nur das tugendhafte Alter erringt was der Jugend, in der Begeisterung Stunde, so leicht schien. _ Man schilt die Uebrrspannten. Das ließe sich hören, wenn man selbst das richtige Maaß hielte; aber bei der allgemeinen Abspannung, die alles Hohe und Gute nur nach dem Maaßstabe des Egoismus messen will, und gern jedes Große in kleine Stücke zum täglichen Gebrauch zerschnitte, erhebt sich der Kontrast, und wenn einmal ein Enrcm sein muß, so mag ich doch lieber im Himmel wohnen, als im Staube wühlen. Die Bildung nach innen ist klar und leicht, aber dennoch wird sie bei den meisten versäumt, und daraus geht die Nothwendigkeii einer Bildung nach aussen hervor, welche allein uns Schutz gegen diese innerlich Ungebildeten gewährt. Andere durchschauen können, ist eine schöne Kunst; aber viel Gutes ging verloren, ehe du sie gewannst. Man sehnt sich oft vielleicht nur deswegen in frühere Bichäitniss« zurück, weil uns eine Art von Eigenliebe zu»