Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein Brief des Weltweisen Moses Mendelssohn
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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—1 13? charakter, welcher, wie fie sich ausbrücken, toitl zu edel uno viel zu großmüthig ist. Das Vergnügen, sagen sie, das wir über die Schönheit eines solchen Charakters «nt« pfinden, wird durch dessen Unwahrscheinlichkeit unterbro« chen, und endlich bleibt in unserer Stele nichts, als der bloße Wunsch für sein Dasein übrig. Diese Gedanken macht-n mich schamroth. Ich bin nicht im Stande alles auszudrückcn, was sie mich haben empfinden lass». Wcl« che Erniedrigung für unsere bedrängte Nation! Welche übertriebene Verachtung! Das gemeine Volk der Christen hat uns von je her als den Auswurf der Natur» als Geschwüre der menschlichen Gesellschaft angesehen. Allein von gelehrten Leuten erwartete ich jederzeit eine billigere Beurtheilung; von dies.» vermuthete ich dir uneuige« schrankte Billigkeit, deren Mangel uns insgemein vorge« worfen zu werden pfiegt. Wie sehr habe ich mich geirrt, als ich einem jeden christlichen Schriftsteller so viel Auf« richtigkut zutrauete, als er von andern fordert! ״In Wahrheit! mit welch r Stirne kann ein Mensch, der noch ein Gefühl der Redlichkeit in sich hat, einer gan« zen Nat.on die Wahrscheinlichkeit absprechen, ein-m einzi« gen ehrlichen Mann aufweistn zu können? Einer Nation, aus welcher, wie sich der Verfasser der Juden ausdrückt, qlle Propheten und die grosssten Könige aufstanden? Ist sein grausamer Richterspruch gegründet? Welche Schande für das menschliche Geschlecht! Ungegründet? Welche Schande für ihn! ״Ist es nicht genug, daß wir den bittersten Haß der Christen auf so manche grausame Art empfinden müssen; sollen auch diese Ungerechtigkeiten wider uns durch Der« laumdnngen ger.echtfert׳get werden?