Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zwei Anreden an die Schüler der Bürgerschule der israelitischen Gemeinden zu Frankfurt a. M., in den bestimmten Andachtstunden
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 14)
- Language
- German
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wein Kind in Frömmigkeit vor dir leben! Stehe mir bei in der Erziehung meines Sohnes! Verleihe mir das Glück, ihn als einen tugendhaften, Gott und Menschen wohkge» fälligen Mann emporwachsen und vor dir wandeln zu sehen, und meine kühnsten Wünsche sind dann erfüllt und befriediget. In diesem Geiste betete Abraham, und davon könnt ihr l. K. die Anwendung auf euch machen. Denn auch eure Eltern haben gewiß für euch schon oft ln diesem Geiste gebetet; denn was nützet den Eltern der Besitz und der Ueberfluß aller zeitlichen Güter, wenn sie nicht auch hoffen dürften» daß ihre Kinder wohlgerathen, und ihnen Ehre und Freude machen würden; ja, wenn sie gar befürchten müssen, daß die Sorgfalt und Mühe, die sie an ihren Kindern verwendet, fruchtlos sein, und diese ihnen vielmehr einst durch Leichtsinn, Unwissenheit und übles Betragen, nur Herzeid, Kummer und Schande machen könnten. 0 dieser Gedanke hat für das Herz der Eltern so viel Schauderndes, so viel Zurückschreckendes, daß sie sich denselben gar nicht denken können, ohne sich höchst unglücklich zu fühlen, und ihr eigenes Dasein als die größte Bürde zu betrachten und zu verwünschen. Denn wahrlich nicht umsonst sagte der weise Salomo — der ungerathene Kinder als das allergrößte Unglück betrachtet, das den Menschen hienieden treffen kann: (Sprüche 17, 21. 24.) ״ Wer einen Thoren zeugt, zeugt sich Kummer; des Narren Vater erlebt nie Freude. Ein thörichtes (ungerathenes) Kind macht dem Vater nur Verdruß und der Mutter Kummer und Herzleid."