Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Ruinen Babylons
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 6)
- Language
- German
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vvllführen, was im Rath des Höchsten beschlossen ist? — Nein, wahrlich nein, so wenig als der rohe Stein selbst sich ju stnem Gebilde bestimmen kann, die ihm die Hand des Meisters gicbt. Aber was mag die allmallende, gü« tige Vorsicht veranlaßt haben, ihren Grinim auf diese Stadt in so vollem Maaße auszuschüttcn, sie den bitter» Kelch der Zerstörung bis auf die herbste Neige ausschlür« fen zu lassen? So dachte ich Stunden lang, und ver« mochte es nicht zu ergründen. So sprach Schare;ar, als sie auf eine Anhöhe gelangten, von wo ihren Blicken sich die aus dem Sumpfe im weiten Umkreise hervorragenden Ueberreste zerfallenen Gemäuers darboten, welches die einstmalige Lage und den Umfang Babels, weiland Königin der Städte, bezeichnett. Beide Wanderer setzten sich auf ein abgerissenes Felsen stück, als eben einzelne Wolken dem Jenseits der Berge entstiegen, allmählig sich näherten, und die Sonne wie mit einem dichten Schleier überzogen. Die Natur schien in Trauer« flor sich zu verhüllen, und alles umher war stumm wie am Orte der Verwesung. Hem an staunte, sein Auge starrte in die öde Ferne, ganz in sich selbst gekehrt war seine Seele, voll der Gedanken von der Nichtigkeit mensch. lichcr Größe, von der göttlichen Vergeltung und von der alles Thun und Lassen lenkenden Vorsehung. Lunge blieb er in dem gleichsam hinbrütenden Zustande, und ads er sich daraus ermannte, brach er in folgende Worten aus: ״Wie bist du von deiner Höhe herabgefallen, stolzes Babel? Wie ist dein Sturz so schrecklich? Selbst diese Mauern, das Wunder der Welt, die einzigen Ueberreste