Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Betrachtungen am Neujahrstage, über die Flüchtigkeit, den Wechsel und den großen Werth der Zeit und über die Anwendung derselben
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 7)
- Language
- German
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229 Herz vergiften und den Geist tödten — anszufüllen — fange von heute an deine Tage zu zahlen und über den Gebrauch derselben reiflicher nachzudenken. Frage dein Herz in Stunden der Ruhe und der Weihe, wenn die Stimme des Gewissens nicht von den brausenden Stnr« nun der Begierden überschrieen und überhört wird, frage es und horche auf, ob es dir nicht sagen wird: wenn Du deine wahre Bestimmung kennest, wenn du es weiße, zu welcher hohen Würde ein Mensch berufen ist, wenn du es weißt, daß du zur Unsterblichkeit geboren, und ein naher Verwandter des höchsten Gottes bist, wenn du es weißt, und nur wissen willst: so benutze jeden Tag und |£bc Stünde deines irdischen Daseyns, bezeichne jeden derselben mit irgend etwas Gutem, das dich besser und vollkommener macht, und zähle deine Lage, da« mit du ein weises Her; erlangest. Wer seine Tage zählt, meine Freunde! und über den Werth derselben nachdenkt: wird zweitens in jedem Staude und in jedem Verhältnisse des Lebens alle diejenigen Pflichten in Erfüllung bringe!,, welche die menschliche Gesell« schast, deren Mitglied er!st, von chm fordert. Er wird sie ungesäumt in Ausübung bringen; denn er weiß ja nicht, ob er sie auch späterhin erfüllen kann, erwirb mit willigem Herzen und geläutertem Sinn jede Gelegenheit ergreifen, in seiner kurzen Lebenszeit so viel Gutes zu thun als er vermag — denn er übersiehet seine Tage, zählet seine Stunden und ach! er hat deren schon so manche zu« rückgelegt, und wer weiß, ob er die Stufen des Alters erreichen wird, das er zu erreichen wünscht. Er wird,