Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Betrachtungen am Neujahrstage, über die Flüchtigkeit, den Wechsel und den großen Werth der Zeit und über die Anwendung derselben
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 3)
- Language
- German
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zer, keine Thronen können sie bewegen ihren raschen Fluz zu verzögern, einzuhalten und bei uns zu verweilen. Und ach, meine Bruder! Dennoch gehen wir mit nichts leichtsinniger und gewissenloser um, als mit unfern Lebenstagen, und der Kärgste, Sparsamste und Geizigste halt es für unbedeutend, manche Stunde, manchen Tag, ja manchen Monat und manches Jahr unbcdachtsam zn verlieren und fruchtlos zu verträumen. Ach, dennoch ge« hcn wir mit unfern zugezählten Augenblicken wie mit ei« ner unerschöpsiichen, unversiegbaren Quelle um, deren Wasser wir nicht tropfenweise zahlen, sondern mit frei« gebiger Hand verschwenden, dürfen! Dennoch zeihen wir die Vergangenheit der Kürze, klagen über ihre Fluch« tigkeit und suchen trotz dieser Klagen die Gegenwart mcht besser zu achten; oft sehen wir der Zukunft mit schmerz« licher Ungeduld entgegen, und ist sie da, so behandeln wir sie n.cht gewissenhafter und treuer, als wir die gegenwär« tigen Augenblicke behandelt haben, die ebenfalls einstim Echooße der Zukunft verborgen lagen! — Ach! meine geliebten Freunde! Es ist eine sehr schmerzliche, traurige Wahrheit, daß die meisten Menschen den Werth ihrer Lebenszeit gar nicht kennen und zu kennen streben; daß viele von diesem Schauplatze ab« treten, ohne diesen hohen und unschätzbaren Werth je ge« ahnet zu haben! Darum gehen sie von dem Leben weg, ohne gelebet zu haben, und die reichen Lebensschätze zu entdecken; darum verlassen sie die Erde ohne das große Ziel zu erreichen, das ihnen die höchste Hand vorgesteckk