Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Gedanken
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 2)
- Language
- German
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207 2. Andacht und Gottesdienst"). Die Andacht findet überall das höchste Wesen, von dem das Herz voll ist; und es sollte mir weh tbun, wenn ich jedesmal eines Altars und eines Betstuhls dedürfte, um mich zu demüthigen vor dem Allmächtigen, der uns ja überall nah ist, und uns durch die größten, wie durch die kleinsten Erscheinungen seiner Welt zu sich ruft. Aber darum, weil man in seiner Kammer, oder in der freien Natur, in dem Schatten eines Hains und beim Rauschen eines Wasserfalls sein Her; zu dem Un« endlichen erheben kann, die Andacht einer Versammlung verschmähen, das hieße doch das Kind mit dem Bade verschütten. Sollte der bessere Mensch, der je seinen kleinsten Genuß durch Mittheilung erhöht, sollte sein sympathetisches Streben nach Theilnahme nur bei dem höchsten und rein« sie» aller Gefühle erlöschen? Gewiß nicht. Ich habe zu oft empfunden, wie die Vereinigung mehrerer Stimmen zum Lobe des Höchsten, ja, wie der Gedanke schon, daß tausend Herzen in demselben Augenblicke von einem Gefühle lodern» der Andacht neue Schwingen leiht, um einer so thörichken Meinung Gehör zu geben. Manche wollen nichts mehr von Gottesdienst wissen; nur Gottesverehrung soll gelten. Auf den Namen kommt überhaupt wohl wenig an. Das weiß jeder, daß Gott unseres Dienstes nicht bedarf; er bedarf auch unserer Verehrung nicht. Dennoch Aus NvlalienS Nachlaß.