Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 4 (1812)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Gesammelte Blumen und Früchte zur neuern Sittengeschichte der Israeliten
- Date
- 1812-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
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י$ 4 ז geschwächt und mein Haar gebleicht hat, traf mich vor zwei Jahren in meiner Vaterstadt. Diese sollte ich zwar, nach Vorschrift des Rabbi, in den Jahren des Gallut (desHernmirrcns) nicht betreten; aber eine unwiderstehliche Macht trieb mich hinein. Erkannt konnte ich nicht wer« den: die Jahre, der Gram, die Kleidung, der lange Bart, hatten mich unkenntlich genug gemacht. Ich kom« me mit pochendem Herzen an die Ecke der Straße, wo ich mein Haus, und — allgerechter Gott! e i n K i n d von etwa zehn Jahren vor der Thür erblicke. Sollte das mein Kind seyn? . . Gewiß! wer denn sonst? Ich will umkehren, ich kann nicht. Der Kampf ist vergebens; ich muß hin, muß das Kind sehen, frechen. Ich bitte um Almosen. Das Kind, ein Mädchen, lauft ins Haus, bringt mir eine kleine Münze. — ״Liebes Kind! eine solche Kleinigkeit? Bring mir noch etwas; sag', es scy cm Baal Teschuba, der um die Gabe bittet." Das Mad> chen geht, kommt wieder. ״Mutter läßt dir sagen, sie ״kann nicht mehr geben; Vater sey auch ein Baal Tcschu. ״ba, wenn der zurückkäme, würde sie im Stande seyn ״größere Almosen auszutheilen." — Ich war versteinert aber Gott verlieh mir die Kraft mich loszureißen, und auf der Stelle die Stadt zu verlassen." — Hier brach der Sünder ab, und ein Strom von Thranen erstickte seine Stimme. Auch ich breche hier ab —mit den Worten Nathans: Was sich der gottergebne Mensch Für Thaken abgewimicii kann. Dav. Friedländer.