Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Einige Worte an junge Frauenzimmer
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 17)
- Language
- German
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•^י— 316 anzieht, Ihr dadurch mehr Ehrfurcht gebietet — oder, daß, wenn euer Anzug glanzender ist, als der eurer Nach» darin, Ihr nun mehr Verdienste habt, als sie? — oder daß Ihr diejenigen verächtlich behandeln dürft, die wem» gcr hübsch gekleidet sind, als Ihr? Eine solche Einbildung kann sich bloß auf den falschen Begriff gründen, daß der Anzug Verdienste mittheile. Dieß ist aber so wenig der Fall, daß Ihr vielmehr oft die verdienstvollsten Personen in solchen finden werdet, deren Umstande es nicht erlauden, in einem modemäßigen Gewände zu glänzen. Verdienst macht bloß den Mann, sonst ist er eine Puppe, Die Hälse ohne Frucht, die Schal' ohn' einen Kern. Außerdem ist sehr zu fürchten, daß diejenigen von ihrem Geschlechte, die auf ihren eigenen Staat so sehr er» picht sind, ihn auch bei andern, allen übrigen guten Ei» genschaften vorziehen, und daß die Werthschätzung ihrer Bekannten nach dem Maaße ihrer einfachen oder kostba» ren Kleidung steigen oder fallen werde. Suchet euch also zu überzeugen, daß Ihr kein Der» dienst von dem Schmuck eurer Kleider ablciten könnt — daß die Verschönerung des Acußerlichen eure Aufmerksam» keit nicht so beschäftigen müsse, daß Ihr darüber vergeßt, euren Geist zu bearbeiten, und daß eine einförmige Sauberkeit mehr für sich rinnimmt, als aller Schmuck und Kleiderputz.