Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1811)
- Article
- Anrede eines Israeliten an seine Mitbrüder in Preßburg, um sie zur Verbesserung der Schulanstalten aufzumuntern
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 6)
- Language
- German
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Mir jedem Tage fühlen wir mehr den erniedrigten Stand, worin wir leben; unser Wunsch, nicht mehr als verächtliche Geschöpfe, sondern als Mepschen und Bürger behandelt, und den übrigen Staatsbürgern gleich gesiellt zu werden, wird immer dringender und heißer, und wir haben von der Güte und Humanität unsers vielgeliebten Monarchen, und von der aufgeklärten und edlen Denkungsart unsrer edlen Stände Ungarns alles zu hoffen- Ist es also nicht unsre Pflicht, unsre Jugend in den Stand zu setzen, Bürgerglück zu fühlen, und Bürgerpflichten und Tugenden ausüben zu können? Ist es nicht unsere Schuldigkeit, uns vor dem Vorwurf zu bewahren, daß unsere Unfähigkeit schuld sey, wenn wir nicht zu der Stufe des Glücks gelangen, wohin wir hätten kommen können? Laßt es euch nicht verdrüßen, liebe Mitbrüder! daß ich euch öffentlich Wahrheiten sage; seyd ja nicht ungehalten darüber; es geschieht, dem Allmächtigen ist es bekannt, nicht um euch Vorwürfe zu machen; es ist mein schmerzliches Gefühl über den bedauernswürdigen Zustand unscrer Jugend, das aus mir spricht, und als Mitglied eurer Gemeinde, meine Pflicht, die mich anffordert, euch die Wahrheit klar und deutlich vor Augen zu stellen; es ist endlich Drang der Gefahr, worin unsere Kinder schweben, Nothwendigkeit, sie vor einem großen Unglück zu schützen, und dagegen ihr künftiges Wohl zu begründen und zu befördern» weshalb ich euch den Vorschlag mache, daß ihr einstimmig vcfchließcn möget, eine zweckmäßige Lehranstalt zu errichten, welche das Glück eurer Kinder und späten Nachkommen gründen soll.