Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1811)
- Article
- Fragmente aus der Einleitung zu einem noch ungedruckten Werke: Früheste Kulturgeschichte des Menschengeschlechts
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 157 (sequence 6)
- Language
- German
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157 Den Menschen war, gleich vielen andern Thiergat« tunge» die Fähigkeit von der Natur verliehen, vermittelst der Organe der Brust, der Kehle und des Mundes die Eindrücke der Sinne in Tönen vernehmlich zu machen. Bis jetzt bedienten sie sich derselben nur, die Empfindun« gen des Hungers, des Durstes, und des Verlangens, so wie der Freude, des Schmerzes, der Angst und des Schreckens auszudrücken. Durch das Gehör aber forderte die ganze Natur zur Sprachbildung auf, und durch seine geistige Anlagen wurde der Mensch dazu in den Stand ge« setzt; der Nachahmungstrieb lehrte ihn ohne Zweifel bald, die Laute, welche er in der freien Natur um sich her und im geselligen Umgänge von Andern gehört hatte, wieder« holen und das Bemerkte im Gemüth befestigen und erhal« ten. Diese nachgeahmten Laute gaben in der Wiederholung die erste Grundlage einer freilich anfangs höchst unvoll« kommcnen Sprache, deren Erfindung znverläßig eine der ersten Anwendungen der menschlichen Grundthätigkcit war. Diefi ist so gewiß, daß man es als ausgemacht be׳ trachten msiß: ,edes auch noch so sprachlose Häufchen Menschen muß, indem es den Naturlauten nachahmt, sich eine Sprache erfinden. Je nachdem diese nun »erschieden sind oder verschieden durch das Organ des Ge« hörs anfgcfaßt werden, müssen airch die Dezeichnungen derselben verschieden ausfallcn. Da übcrdieß dir Naturtöne meistens nicht gleich oder bestimmt sind, so kann es nicht anders kommen: es muß bei der Bezeichnung selbst viel Willkührliches mit unterlaufen. Aber cs war schon genug gewonnen, daß die Menschen erst einmal nur ge«