Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 2 H. (1811)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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120 -Vorurtheil, nur sehr selten in der Gesellschaft seiner Christlichen Brüder anzutreffen, er schrankte sich ganz auf sich und seine Glaubensfreundc ein, lebte isolirt und em- Pfand keine gegenseitige Friktion — wenn nicht im Handel eine solche Reibung zuweilen statt fand — von Künsten und Wissenschaften wußte er wenig oder nichts und hörte sogar höchst selten davon reden (aus falsch verstandenen, Religionseifer wurden sie ihm wohl gar als daS Grab der Moralität geschildert); über Religion zu raison« niren war ein höchst seltener und in der Gegenwart u n« mündiger Kinder ein nie eingetretener Fall. Gleich der heiligen Bildsäule zu Sais mußte die Religion umschleiert bleiben, und wehe dem, dessen freche Hand sie zu enthül« len sich erkühnt hätte. So war selbst der erwachsene Jüngling in der Regel niemals der Gefahr ausgesetzt, dir giftigen Pillen der Verführung in honigsüßen Worten z« verschlucken. Die Einmal im Hause der Elter» gefaßte Idee stritte sich im Kopfe, hatte Einfluß aufs Herz und pflanzte sich fort bis ins dritte und vierte Geschlecht. Doch kein Licht ohne Schatten und ohne Uebek kein Gutes! Unter den wohlrhatigen balsamischen Pflanzen, die in dem bewässerten und sorgfältig mit Thau des Himniels getränkten Garten der Religion gediehen, schoß auch mancher Schierling des Un-und Aberglaubens mit auf, dessen Genuß sehr oft dem Knaben und dem Mädchen nicht minder heilsam und stärkend als der des Lcbcnsbaunis selbst hochgepricsen wurde. Sic aßen und — als Jüngl i n g und I u n g fr a n, oft erst als Man n und Weib empfanden sie die schmerzhaftesten Schmerzen, die quäl.