Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Dritter Jahrgang 1810-1811
- Issue
- 1 Bd. 2 H. (1811)
- Article
- Ein ungedruckter Brief des Weltweisen, Moses Mendelssohn, vom 24. April 1773
- Date
- 1811-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 4)
- Language
- German
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die Ergötzung zum Endzweck; Liebeslust zielet, der Natur der Handlung gemäß, auf die Zeugung eines vernünftigen Wesens ab; eines vernünftigen Wesens, das also der Glückseligkeit und des Elends fähig ist. Diesem Endzweck der Natur mit Vorsatz, indem er er« reicht werden kann, zuwider zu handeln, ist eine grobe Sünde, welches wohl keiner weitern Ausführung und Auseinandersetzung bedarf. — Läßt man aber der Natur ihren Lauf, so setzen sich beide Personen in die Vcrpflich« tung, zur Glückseligkeit dieses vernünftigen Wesens so viel beijutragen als sie können, das heißt: für dessen Erhal« tung, Erziehung und Fortkommen unter den Menschen zu sorgen. — Diese gemeinschaftliche Pflicht ist schon eine Art von natürlicher Gesellschaft, dievoa der Ehe nicht weit entfernt ist. — Ferner liegt dem Manne die natürliche Pflicht ob, die Frau in währender Schwangerschaft zu beschützen, ihr auch alle mögliche Versicherung zu geben, daß er die Sorge für die Pflege des Kindes mit ihr theilen wolle. — Die beste Verficht« rung hievon ist ein gesetzmäßiges verbindliches Pactum, und dieses ist die Ehe. Was die bürgerlichen Gesetze übrigens hinzugethan, hangt von den Umstanden ab, und leidet Abänderung. Das Wesentliche der Ehe aber grün« det sich auf die Gesetze der Natur und Vernunft. — ES haben vielleicht wenig junge Leute gelebt, die nicht hierin zuweilen gesündigt haben. Sie müssen aber nie vergessen, daß sie gesündiget haben, und sich nicht einbilden, daß sie bloß eine unschuldige Ergötzlichkcit genossen. Nein! die Sache ist von großer erhabener Wichtigkeit, und wie jedes Vergehen wider die Gesetze Gottes allemal von unseligen