Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 96)
- Language
- German
- Belongs to
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96 b« Behörden und Nichtbehörden: daß es endlich Zeit sei, dem so allgemeinen Bettelunfug Einhalt zu thun, — schon oft hören müssen, daß man bei allem guten WillenMnnoch nicht wisse, wie diesem Unfug gründlich abgeholfen toajttn könne. Er erwiderte darauf: so nehmet «in Beispiel M den Juden! In solchen Gemeinden, wo Juden leoen, müssen dieselben nicht allein die Armen der Christen unterstützen helfen, sondern auch ihre hülfsbedürstigen Glaubensgenossen ganz unterhalten. Gewiß aber ist es «in ganz seltener Fall, daß «in armer Jude einen Christen um ein Alniösen ^anspricht- und dennoch ist bei den Juden vielmehr Armuth als bei den Christen. Müssen denn nichtfastalle JudenihrtäglichesBrödkaufen? Ihr Landwirthe und ihr vermögenden christlichen Grmeindemitglieder, besonders aber ihr christlichen Ortsvorstände, sollte es euch, deren Hände zum Erwerb nicht so gebunden sind, wie jene der Juden, denn nicht eher möglich sein, dem Bettelunfug Einhalt zu thun, als dies den Juden möglich ist? Oder wenn ihr wirklich nicht wisset, wie ihr dies anfangen sollt, so wendet ' euch an die Juden und laßt euch sagen, wie denselben «ine bessere Einrichtung bei deren oft beschränktem Einkommen möglick ist u. s. w." _____-■— Ueber daS Ableben des Herrn Hermann TodeSko in Wien heisst es von dort: „Die kaufmännische und Finanzwelt hat in dem Ende Rovbrs. (1845)verstorbenen reichen BmquierHermannTodesko «ine ihrer ersten Notabilitäten verloren. Noch mehr aber hat die nicht finanzielle, die hülfsbedürftige Welt seinen Verlust zu beklagen. Todesko war einer der wenigen und seltenen Edeln, denen Wohlthun Seelenbedürfniß und Lebensbedingung ist. All« Stimmen vereinigen flch in diesem Punkte zu seinem Lobe. Sein Wahlspruch war: Wag Andre nach dem Tode wollen, will ich im Leben, meine Wohlthat Mitgenießen durch die Freude, die aus Wohlthun entspringt." Todesko speist« täglich 40—60 Arme, und seine Hand war immer zum Geben aufgethan. Der Primär- und Kinderbewahrschule seiner Vaterstadt Preßburg, wo er 1794 geboren war, machte er mit einem für 25000 Gulden angekausten Hause ein Geschenk. Aber nicht bloß feinen israelitischen Glaubensgenossen, allen Hülfsbedürftigen ohne Unterschied der Religion war er ein Tröster in der Noth. Und dieser Mann kam 1824 mit sehr bescheidenen Mitteln nach Wien, um sich binnen 20 Jahren