Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 89)
- Language
- German
- Belongs to
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89 auf dem Gebiete neuhebräischer Literatur. Der eine von ihnen, Baruch (der Vater des Ignatz), findet einen schönen, deneidenSwerthen Tod. Als die Schlachten von Dresden, Culm u. s. w. geschlagen wurden und Tausende und abermals TaMnde Marodeurs, Verwundeten und Kranken die Spitäler und Straßen von Prag füllten, zu jener Zeit, wo die Prager ein so fcf>6* nes Beispiel von Menschlichkeit und Selbstaufopferung gaben <S. Rahel's Briefe aus jener Epoche), <in« liieiw bewegliche Gestalt mit einem geistvollen und wohlwollenden Gesichte, in einer halb rabbinischen, halb modernen Eracht , von Bett zu Bett eilen, Medicamente austheilen, Wunden verbinden, Lebensmittel spenden, unermüdlich Tag und Nacht, bis in jenen Spitälern der Typhus ausbrach und den Menschenfreund darauf als eines der ersten Opfer aus der Mitte seiner Pfleglingeriß. Er war nicht Arzt, dieser (Rabbiner) Baruch , es war nicht feine Pflicht, in der er starb; aber eingedenk seines Vaters, glaubte er die Erfahrungen, die er im elterlichen Hause erworben, auf dem Altar der Menschheit opfern zu müssen, und an dem Fuße dieses Altars sank er todt nieder. Einer von den Gliedern dieser Familie genießt als Professorder Medicin in Lemberg eines guten Rufs) ein zweiter schrieb mehrere glückliche lyrische Versuche, ein dritter ist Arzt in Prag, ein vierter ist Arzt in Brünn; dieser (AloyS Jeitteles) ist außerdem glücklicher Uebersetzer spanischer Dramatiker und einige seiner Bearbeitungen kamen auf dem Burgtheater mit mehr oder minderm Glücke zur Aufführung u. s. w." — Ignatz Jeitteles war 60 Jahr alt, als er starb; man hatte ihn jedoch lucht für einen Vierziger nehmen können , so rüstig und frisch war er. Die Wiener Luft ist für die Schriftsteller sehr conservativ; sie erlaubt nicht, daß ihre Lebensflamme zu heftig auflodert; darum gehen Greise, wie Castelli, noch in ihren Kinderschuhen und haben ihre Naivetät unter dem grauen Haar und dem localen Lorbeerkränze so frisch behalten, als träten sie erst heute in diese schöne Welt voll Walzer und Backhühnern." *) *) Seitdem ist erschienen: Eine Reise nach Rom. Son Dr. Ignatz Jeitteles. Mit einer biographischen Skizze von August Lewqld und hem Bildniß des Verfassetvon Kriehuber. (Ftiederichsche Verlagsbuchhandlung in Siegen und Wiesbaden.) 1 Thlr. 15 Sgr.