Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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86 Juden hochwichtige Entscheidung erfolgt. Auf einen erstatteten Bericht der Kreisdirection hat daS Staatsministerium durch ein Rescript vom 16ten d. M. entschieden, „daß bei allen städtischen und landständischen Wahlen die Juden nach ganz gleichen Grundsätzen mit den Christen zuzulassen seien." In Beziehung auf die Wahl deS jüdischen Kaufmannes Helfft zum Stadtverordneten ist jede Beschränkung rücksich seiner Befugnisse beseitigt, indem ihm Beschränkungen, welche die Gesetze nicht machten, nicht gestellt werden könnten. Die Verfügung ist eines der schönsten Denkmale, die eine Regierung sich setzen kann. „Heinrich Heine bittet in der „Augsburger Allgemeinen" (In dem Nekrolog von Ludwig Marcus*)) die deutschen Regierungen, sie möchten die Juden-Emancipation beschleunigen, damit endlich die langweilige Literatur dafür und dawider ein Ende nimmt. Dann aber fügt er die eben so wahren als schönen Worte hinzu: „Die Emancipation wird doch früh oder spät bewilligt werden, aus Gerechtigkeitsgefühl, aus Klugheit, aus Nothwendigkeit. Die Antipathie gegen die Juden hat in den obern Klaffen wenig religiöse Wurzel mehr, und Zn den uütern Klaffen gestaltet sie sich täglich mehr in den socialen Groll gegen den steigenden Besitz um. Was die Regierungen betrifft, so wissen sie, daß der Staat ein organischer Körper ist, und daß derselbe nicht zu einer vollkommenen Gesundheit gelangen kann, so lange nur ein einziges seiner Glieder, und fei es auch nur der kleine Zeh, an einem Gebrechen leidet. Ja, der Staat mag noch so hoch sein Haupt tragen und mit breiter *) Dieser ausgezeichnete Gelehrte, jüdischer Religion, (dessen Vater Markus Mie< hieß), war aus Deßau gebürtig, frequentirte daselbst die, noch fortwährend rühmlichst bekannte (israelitische) Franzschule, und (wie in dessen Biographie in den „Archive« IsraSlites“ richtig bemerkt ist), auf Anrathen des Direktors derselben (des Herausgebers dieser Zeitschrift) nach gehöriger Vorbereitung in dieser Schule später das Herzog!. Gymnasium daselbst, studirte in Berlin Philologie, zeichnete sich durch feine, besonders mathematische, Schriften rühmlichst aus, wurde an der hohen Schule zu Dijon in Frankreich Professor, und starb leider vor einiger Zeit in Paris an deu Folgen von Geisteszerrüttung. Die Recension in dem üten Jahrg. der Sulamith, 12. Heft S. 407, unterzeichnet: M—S, ist von ihm. D. H.