Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 9 (1845-1848)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1845-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 73)
- Language
- German
- Belongs to
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75 ausschUeßen müssen. Der Constitution und den Hellern Grundsätzen der Regierung gemäß, werden aber solche Versuche, sobald sie zur Kenntniß der Staatsbehörden gelangen , von denselben und von aufgeklärten christlichen Bewohnern kräftig zurückgewiesen, wie auch Folgendes näher zeigt. „In Lyon hat der dortige Universitäts-Rektor' bei der Visitation einer durch eine wohlthätige Gesellschaft gegründeten Mädchenschule 18 Mädchen ausschließen wollen, weil sie — Jüdinnen wären. Aber die leitende Kommission der Schule setzte diesem Begehren energischen Widerstand entgegen., da die Schule aus den freiwilligen Beiträgen von Katholiken, Protestanten und Juden gestiftet worden ist. Auch die Regierung wies diesen Obskuranten von Rektor mit seinem Begehren ab." Daß auch sogar in manchen Mäßigkeitsvereinen Judenhaß empfohlen wird, geht aus einer Nachricht aus Rybnik in Oberschlesien, in Oettingers „Charivari" hervor. — — „Uebrigens scheint man auch den Bauern gesagt zu haben, heißt eS u. Ä. daselbst, „daß sie beim Juden nicht dienen sollen, indem plötzliche Aufkündigungen der Dienstboten (bei Juden) (also auch zum vorzüglichen Nachtheile dieser Christinnen/ hier an der Ordnung sind, und ein hochwürdiger Herr Kaplan den Handkuß eines Dienstmädchens ausschlug, weil sie beim Juden diene." Obgleich drei Viertheile der Brandwein-Verkäufer in Oberschlesten Christen sind, so suchen viele der dortigen MaßigkeitSprediger doch die Verbreitung der sogenannten Brandweinpest den jüdischen Brandweindtennern fälschlich allein aufzübürden, wodurch der Judenhaß dort erregt, wird, der sich dann freilich auch auf die.andern Judew erstreckt, die keinen Brandwein verkaufen. „Die Zeiten werden immer romantischer, das haben wir ohne Zweifel der liebevollen Würdigung' des Mittelalters und den Bestrebungen zur Realisirung des christlich-germanischen Staates zu danken. In Gesecke bei Paderborn hat man das herzerhebende, an die guten alten Zeiten erinnernde Schauspiel einer kleinen Judenverfolgung genossen. Die Veranlassung war das Gerücht, daß ein hochstehender Geistlicher einen seinen Glauben verhöhnenden Droh- und Schmähbrief erhalten habe, und daß dieser Brief von einem Gesecker Juden ausgegangen sei." (Kann er denn nicht auch von einem protestantischen Christen herrühren, und in diesem Falle hätte man wohl etwa