Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 320 (sequence 138)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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320 Bücherbesprechungen derungen nach Form und Inhalt erfahren, im Grunde aber nur Versuche darstellen, die Forderungen der Nächstenliebe und Gerechtigkeit in der jeweiligen Gesellschaft und Wirtschaftsordnung durchzuführen. Das Werk gibt nicht nur einen Einblick in die reiche Kultur-׳ geschichte Frankfurts, sondern enthält auch eine lebendige Dar- Stellung, wie im Laufe der Jahrhunderte die Stellung zum Ärmen und zur Armenpflege sich gewandelt hat. Die Schrift zeichnet auch treffend das Verhältnis der Juden zu der nichtjüdisehen Umwelt in Frankfurt a. M. und gibt außerdem eine eingehende Darstellung des jüdischen Wohlfahrtswesens. Solange die Juden in Frankfurt nicht im Besitze der Bürgerrechte waren, schlossen sie sich eng zusammen und brachten ihre Einrichtungen der Wohlfahrtspflege in Form der Selbsthilfe zu einer außerordentlichen Blüte. Allmählich aber mit dem Anwachsen der jüdischen Bevölkerung machte sich der Mangel einer Organisation geltend. Der Verfasser schildert nun die Entwicklung der Organisation, die jüdisch-soziale Vereinstätigkeit, die jüdischen Fürsorgemaßnahmen als Leistungen auf Gegenseitigkeit. Ein besonderes Kapitel ist der jüdischen Wohlfahrtspflege in der neueren Zeit gewidmet. Schaeffer sieht mit Recht in der starken Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft die Ursache der großen Leistungen auf jüdisch-sozialem Gebiet. Dank der lebendigen Privat-Initiative und Hilfsbereitschaft, sowie aus den alten Grundsätzen über die Einzelfürsorge entstanden in der neueren und neuesten Zeit die Institutionen und Organisationen der Ärmen- und Wohlfahrtspflege Frankfurts. Ueber die Kreise der Fachwelt hinaus, wird diese Geschichte der Ärmen- und Wohlfahrtspflege als ״Beitrag zur geschichtlichen Entwicklung der sozialen Idee“ zu werten sein. Uns Juden bedeutet dieses wertvolle Kultur dokumen t der Stadt Frankfurt nicht mir eine lebensvolle Einführung in das Werden und Wachsen der gesamten jüdischen und öffentlichen Fürsorge, sondern zugleich auch ein Dokument zur Schicksalsgemeinschaft der Juden, ein Dokument, welches uns zugleich lehrt, daß nur die in der Bibel verankerte Humanitätsidee es ist, die Brücken zu bauen vermag über die durch das Leben zwischen Mensch und Mensch gezogenen Gräben. J. H—ik Verantwortlicher Redakteur Dr, J. Wohlgemut!!. Berlin Druck: Hermon Druckerei und Verlag, Frankfurt a. M.