Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 5-8 (Mai 1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 318 (sequence 136)
- Language
- German
- Belongs to
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318 Bücherbesprechungen zugehen, und Referent muß sich darum damit begnügen, zu einigen Punkten prinzipieller Ärt kurz Stellung zu nehmen, wenn er auch zu vielen Einzelheiten wesentliche Einwände erheben muß. In den Mittelpunkt seiner Untersuchungen über die Massora stellt Verfasser die Bearbeitung des Ochla we Ochla (= O) und sucht auf Grund der O-Hs. in Halle (= H), Frensdorffs Äusg. der O-Hs. in Paris (= P) und der Endmassora der Jakob ben Hajjim ,sehen Bibelausgabe (Venedig 1524/25) (= Mf.) eine O- Urschrift zu rekonstruieren. Von der Mf. wissen wir aus dem Vorwort Jakob ben Hajjims, daß sie eine nach eigenen Gesichtspunkten zurechtkompilierte Sammlung massoretischer Listen ist, aus Hss. zusammengestellt, die der Mäzen und Verleger Jakob ben Hajjims, Daniel Bömberg, ihm verschaffen konnte. Daß nun eine solche zufällige Kompilation nicht als eine ,,Quelle“ benutzt werden kann, wird jedem einleuchten. Und selbst wenn man annimmt, daß H und P auf dieselbe Weise wie Mf. entstanden sind, was man aber von vorneherein gar nicht weiß, und was wohl auch nicht der Fall ist, so ist es doch methodisch sehr bedenklich, die Mf mit H und P auf die gleiche Stufe zu stellen und daraus eine Urschrift rekonstruieren zu wollen. Statt der Mf hätte man mit größerer Berechtigung Ginsburgs ״Massorah“ heranziehen können, wo doch auch die Mf neben einer Reihe angeführter Hss. verwertet ist. \ Aber auch diese Massora-Sammlung scheidet wegen ihrer Ungeeignetheit für größere Untersuchungen auf massoretischem Gebiete als ,,Quelle“ aus. Äuf Grund von H und P allein aber eine O-,,Urschrift“ zu rekonstruieren ohne andere Quellen, und zwar außerhalb des Bereiches der gedruckten Bücher, heranzuziehen, ist m. E. ein Unternehmen, das nicht zu einem richtigen Ergebnis führen kann. Das gilt erst recht für 0, weil die einzelnen Listen dieser Sammlung sich in vielen Bibelhss. finden, und dann meistens da, wo sie inhaltlich hingehören, in organischem Zusammenhang mit dem Bibeltext und mit der ,,großen“ und ״kleinen“ Massora, wodurch das Wesen der gesamten Massora weit besser zu Tage tritt. Besonders in älteren Hss. ist dies der Fall. Schon bei einer ,oberflächliehen Untersuchung solcher Hss. zeigt es sich, daß zur O-,,Urschrift“ andere und mehr Listen gehörten als die Listen, die H und P gemeinsam haben. Ä. a. 0. hoffe ich, dieses darlegen und auf die damit verbundenen Probleme eingehen zu können. Erst durch Heranziehung von Hss., durch genaue Beachtung der Terminologie, der Reihenfolge der angeführten Stellen in den nichtalphabetischen Listen und ähnlicher Dinge, wird man das Verhältnis zwischen H und P erkennen und diesen Sammlungen den rechten Platz in der Erforschung der Massora zuweisen können.