Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 113 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293072-2293074--10953-2304253- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. 113 faßt die aufbauenden Kräfte, die aus der Quelle der Gesinnung, der Weltanschauung, der Religion fließen. Es liegt also die Doppelaufgabe vor: die negativen Kräfte einzudämmen, die positiven zu stärken. Die erste Aufgabe ist die Domäne des Staates, der seine wirtschaftliche Kraft in den Dienst der Geburtenförderung stellen kann. Hier seien nur andeutungsweise jene großzügigen wirtschaftlichen Sanierungsversuche erwähnt: die Maßnahmen zur Verhinderung der Landflucht, die in Frankreich mit allerdings geringem Erfolg geübten Kinder- Prämien, die Bevorzugung kinderreicher Familien bei Anstellung, Gehalt und Steuer, die von Grotjahn empfohlene Eltern- Schaftsversicherung. Dagegen wird die Gesinnungsbeeinflussung auf diesem Gebiete von Staatswegen nur geringe Aussichten haben. Diese zweite Aufgabe wird vielmehr vornehmlich der Religion zufallen. Der Angriffspunkt all dieser Bestrebungen wird die einzelne Familie sein müssen, auf deren Willen es ja doch schließlich ankommt, wie wir eingangs gesehen hatten. Auch für unsere jüdischen Kreise kommt eine derartige Beeinflussung der Familie ausschließlich in Betracht. Zwar ist die einzelne Familie in den Schraubstock der allgemeinen Wirtschaftslage eingespannt und nicht frei in ihren Entschlüssen. Dennoch wird die Macht der Idee manche Hemmung der Wirtschaft und Gesellschaft sprengen können, und vielfach kommt es ja nur darauf an, den guten Willen zu wecken und zu stärken. Wirtschaftliche Stützmaßnahmen werden in unserem engeren jüdischen Kreise nur ganz begrenzt möglich sein. Die naheliegende Aufgabe wird es sein, den Zeugungswillen zu wecken und zu stärken. Träger dieser Aufgabe sollten vornehmlich die Rabbiner und Lehrer des Volkes sein, die bei geeigneten Gelegenheiten, bei Schiurim und Vorträgen sich nicht zu scheuen brauchten, auf den Gegenstand in geeigneter Form zu sprechen zu kommen. Wichtig ist die Mitarbeit der Aerzte. Es muß leider zugegeben werden, daß vielfach gerade auf ärztlichen Rat hin gesündigt wird. Ich will nicht von jenen leichtfertigen 2