Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1930)
- Date
- 1930-03-01
- Page
- Seite 111 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Geburtenrückgang — ein jüdisches Problem. m seuche“ Einhalt zu tun. Dagegen stellt das jüdische Religionsgesetz (wie übrigens auch das katholische) für die Verhütung etwa dieselben Vorbedingungen wie für die Unterbrechung auf, d. h. es beschränkt sie im wesentlichen auf Leben und Gesundheit bedrohende Zustände. Nun erfolgt aber die Bildung der ethischen Vorstellungen häufig nach der staatlichen Norm. Wenn auch diese Art der Ableitung einer Moral vollkommen abwegig erscheint, ist sie doch beinahe als Regel zu bezeichnen. ״Nur was der Staat vierbietet, ist unmoralisch.“ So ist der Konflikt zwischen religiösem Gesetz und moderner Ethik ohne weiteres gegeben, und die Erfahrung zeigt, wie in diesem Konflikt gewöhnlich das religiöse Bedenken unterliegt. Das ist von ungeheurer Tragweite. Denn die dauernde Uebertretung eines einzigen Komplexes der religiösen Vorschriften muß bei konsequenten Naturen zu allgemeiner Störung der Gewissenhaftigkeit auf dem Gebiete der Religion führen. Umgekehrt wird dieser Mangel an Gewissenhaftigkeit immer weitere Vernachlässigung der Sexual- und Moralvorschriften des Judentums zur Folge haben. Wer sich auf dem sexuellen Gebiete von Rat und Entscheidung des Rabbiners unabhängig macht, wird sich auch leicht von anderen religionsgesetzlichen rabbinischen Urteilen emanzipieren. Neben den Auswirkungen der geburtenverhütenden Methoden müssen auch die Folgen der resultierenden Kindera r m u t Erwähnung finden. Das Sinken der Geburtenziffer, von dem wir ausgegangen sind, wird für alle, die aus politischnationalen oder aus weltanschaulich-religiösen Gründen eine Erhaltung und Erhöhung der Zahl anstreben, ein ernstes Warnungssignal sein. Aber auch die einzelne Familie ist oft schwer betroffen. Gewöhnlich sind sich die Eheleute in den ersten Jahren der Folgen ihrer Handlungsweise nicht voll bewußt. Gesundheitlich ist Kindererzeugung für die meisten Frauen eine Notwendigkeit. Kinderlose Frauen sind nicht selten eigenartig und in ihrem Nervensystem labil. Ein wesentlicher Teil ihrer körperlichen Existenz ist nun einmal