Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zionismus 85 versucht. Aber ich gebe zu, daß die ideologischen Bemühungen noch nicht befriedigend sind. Was aber folgt daraus? Den Pessimismus, den Landau daraus ableitet, wird kein ruhiger Betrachter teilen. Schaffen und Denken ruht dennoch nicht in unserem Kreis und eines Tages wird doch der Wurf glücken. Der Versuch aber, die — wie gesagt — ja nirgends als adaequate Formel gedachte, ja nirgends selbst geprägte Verbindung von Thora und Land philosophisch zu erschüttern, muß mißlingen. Unsere Formulierungen sind ja — trotz Landau — frei von dem Fehler einer unberechtigt ten Gleichsetzung. Aber man bedenke doch folgendes: mit seinen Definitionen, mit seiner Wesensbestimmung bezweckt der Misrachi lediglich, seine besondere Rolle zu umschreiben. Er begeht nicht den Fehler, sich begrifflich mit dem Judentum zu identifizieren. Er ist ein Diener des Judentums, ein, wie er glaubt, entscheidender Faktor und Gestalter auf einer bestimmten historischen Strecke. Für diese freilich rückt die Bedeutung des Landes — natürlich in enger Korrelation zur Lehre — in den Vordergrund des jüdischen Schicksals und damit auch der gedanklichen Erwägungen, d. h. der Selbstbesinnung auf unser Schicksal. Thora und Land sind dann in besonderer Weise aneinander geschmiedet und rechtfertigen ein unmißverständliches Schlagwort. Oft genug ist in Abhandlungen und Aufsätzen das Verhältnis der einzelnen jüdisehen Kardinalwerte zu einander bestimmt worden. Freilich in anderer Weise als bei Landau. Volk und Land haben im System des Judentums gewiß größere, fundamentalere Bedeutung, als es die konfessionalisierte Auffassung vieler in der Orthodoxie zuläßt, und das Religiöse — wie oft ist das schon gesagt worden — ist ein sehr wenig zureichender Begriff für all das, was nach gedanklicher Abstraktion des Nationalen übrig bleibt an Halacha, Lehre, Philosophie, Blick auf Leben Welt und Gott usw. Und hinzu kommt, daß alles Abstrahieren nicht nur in der lebendigen Wirklichkeit, sondern auch im Theoretischen hier unstatthaft ist. Und ich wage die Behauptung, daß Land und Nation nicht völlig sinnlos werden, wenn die