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Jeschurun · 1930-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1930) · p. Seite 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1930)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1930)
Date
1930-01-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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Die Ausgrabungen von Ur 25 ganzen aber nur das Bild einer — aus dem Epos des Gilgamesch (des biblischen Nimrod) schon bekannten — aus Personifizierung beobachteter Naturkräfte und aus Vergöttlichung der Stadtkönige zustandegekommenen Vielgötterei, welche — psychologisch betrachtet — eine starke Komponente der Furcht einschließt, praktisch in enger Verbundenheit von Religion und öffentlichem Leben die Regierungsform der Theokratie erzeugt hat; hierbei scheint uns jedoch, wenigstens für den erstgenannten Teil der verehrten Götter, bei der Priesterschaft bereits eine Fortbildung im Sinne der symbolischen Deutung vorzuliegen. Die häufige Auffindung kleiner tönerner Hausgötzen zeigt andererseits die Gefühlsstärke des Götterglaubens im Volke, läßt die Herkunft der uns von Laban und (im Midrasch) von Terach überlieferten Institution der Privatgötter verstehen und rückt dabei die monotheistische Erkenntnis Abrahams in desto helleres Lichte Was die Deutung der ,,Sikkurate“ (oder ,,Ziggurate“), jener eigenartigen Tempeltürme, als etagenweise aufstrebende Stätten der Götter- Verehrung betrifft, — die Sumerer denken sich die Götter auf den Bergen wohnend —, so deckt sie sich zwar mit Vorsteilungen anderer Völker (Griechen), widerspricht aber der biblischen Erklärung für den Bau des Babylonischen Turmes. Ob übrigens die Rekonstruktion der Sikkurat von Ur richtig ist, wäre bei dem bekannten Streit um die Rekonstruktion des Turmes zu Babel noch nicht ausgemacht; umgekehrt könnte aber auch die Meinungsverschiedenheit um den kaum erhaltenen 5 Es handelt sich hier um einen zwiefachen Vorgang: zuerst ein Äbrücken von der polytheistischen Kulturform, von der die Bibel bemerkenswerter weise nichts berichtet, sodann die Auffindung des einen Gottes als letzte Ursache. Von hier aus gesehen, wird der Fortzug Abrahams nach Kanaan überhaupt erst sinnvoll. Er ist nicht zuerst ״Prüfung“, sondern die notwendige äußere Voraussetzung für den inneren Fortschritt monotheistischer Erkenntnis. Nur in der Isoliertheit eines kulturniedrigeren Landes kann sich der neue Gedanke mit Aussicht auf Bestand durchsetzen. Pädagogisch betrachtet: der Individualist wertete die Milieu-Wirkung nicht zu niedrig.

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