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Jeschurun · 1929-11-01 · Heft 11-12 (November 1929) · p. Seite 561

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 11-12 (November 1929)
Date
1929-11-01
Page
Seite 561 (sequence 51)
Language
German
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Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere 561 Größe beim Sündenfall verscherzt, durch die anderen Völker abgelöst wird, die dann nicht so leicht zu verdrängen sind. ,,Das Lamm geht nach dem Lamm“,168 wie sich die Mutter führt, so die Tochter. Das ist dort im guten Sinne gemeint, illustriert das Verhalten der Tochter R. Äkibas gegenüber Ben Äsai. Auch sie, eine würdige Tochter der Frau R. Akibas, hat auf die Rechte und Freuden der Ehe verzichtet und ihren Gatten für das Talmudstudium freigegeben, damit er losgelöst von allen Sorgen und Verbindlichkeiten zur Größe heran-׳ wachsen könne. Und da soll doch eben jener ergreifenden Scene Erwähnung geschehen, die durch die bloße Anwendung eines Zitates uns in jenes innige Verbundensein des Menschen mit dem Tiere einen tiefen Blick gewährt. R. Äkiba war als Jüngling ein unwissender und armer Hirt bei einem der reichsten Männer Jerusalems. Sein Charakter und seine Frömmigkeit gewannen ihm das Herz der Tochter des Hauses. Sie verlobte sich ihm heimlich unter der Bedingung, daß er in der Fremde im Lehrhaus sich dem Thorastudium widme. Sie wartete geduldig und wartete trotz aller Mahnungen Jahrzehnte auf ihn. Vom Vater verstoßen konnte sie nur im Bettlergewande ihm entgegengehen, da ihr Gatte im Triumphzuge, von tausenden seiner Schüler begleitet, der Stadt nahte. Ihre Nachbarin will ihr Kleider leihen. Aber sie sagt: ,,Der Fromme weiß, wie seinem Tiere zu Mute ist“ (Prov. 12, 10). Das kann man nach moderner Auffassung als unwürdige Unterwürfigkeit ansehen. Beispiele des Unterwürfigkeitsgefühls der Frau sind aus Bibel und Talmud genügend bezubringen. Im Rahmen einer der wundersamsten Romane, die uns im Midrasch begegnen, kommt darin jene selbstlose Demut, jene opferfreudige Hingabe zum Ausdruck, der alles Leid und alles Verzichten ein Nichts ist, wenn es gilt den geliebten Mann groß zu sehen, nicht groß nur auf der Höhe des Ruhmes, sondern groß in den erhabensten Menschenwerten. Sie ist sich sicher zugleich dessen bewußt, was sie R. Akiba gegeben hat und was dieser 16s Keth. 63 a. 4

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