Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 543 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere 543 sehen kommen, wenn er ganz allein, von aller Unrast des Tages abgelöst, seinem Inneren lauscht: ,,Stimmen der Nacht“: Der Sinn des Lebens, für den Agadisten natürlich des jüdischen Lebens. Gott als der alleinige König aufgerichtet im Herzen, das Vertrauen auf seine Hilfe, Arbeit und Thora usw. Wir haben heute in der Unrast der Zeit manches aus dem täglichen Gebet ausgeschieden, was früher allgemeiner Gebrauch. Dazu gehört auch das Lesen des Perek Schira. Es ist keine Frage, daß die seelische Verbindung mit der Tierwelt, die durch die von der nicht jüdischen Außenwelt erzwungene Abschnürung von der Beschäftigung in Acker und Wald viele Jahrhunderte gelockert war, durch die gemütvolle Versenkung in diesen Midrasch aufrecht erhalten wurde. Mir selbst waren alte Männer bekannt, die beim Anblick des Treibens der Tiere jene Aussprüche zitierten und sie aus der Beobachtung heraus deuteten. Der Perek Schira ist entstanden aus dem Bewußt״ sein der Gemeinschaft zwischen Mensch und Tier, aus dem Gefühl der Verpflichtung und der Freude, den alleinigen Schöpfer aller Wesen zu loben. Er bot dann später ein Gegengewicht gegenüber der Entwicklung, die unter der Herrschaft des steigenden Intellektualismus den Tieren eine so tiefe Stelle im Reiche des Seelischen anwies. Für die liebevolle Versenkung in das Leben der Tiere sprechen die uns in vielen Berichten, Erzählungen, Aus- Sprüchen überlieferten Betrachtungen. Eine genaue Kenntnis des anatomischen Baues und der Beschaffenheit der inneren Organe sowie ihrer krankhaften Veränderungen war bei den Lehrern des Talmuds und den späteren Rabbinen schon deshalb erforderlich, weil von praktischer Bedeutung für ein großes Spezialgebiet der Speisegesetze. Ueber den Wortlaut des Bibelverses ובשר בשדה טרפה Fleisch eines auf dem Felde zerrissenen Tieres sollt ihr nicht essen (Ex. 22, 30) hinaus ist nach mündlicher Ueberlieferung jedes Tier, das durch Erkrankung oder durch eine Verletzung zu einem Fehler gekommen, auf Grund dessen es nicht 12 Monate leben kann, ,,trefa“ und zum Genüsse verboten. Maimonides zählt in seinem Jad