Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1929)
- Date
- 1929-11-01
- Page
- Seite 514 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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514 Um den Zionismus. daß Ihre angenommenen Voraussetzungen ganz und gar nicht zutreffen. Ich habe als unabhängiger Publizist geschrieben, keiner Partei zugehörig und keiner dienstbar, wenn auch aus einer absolut eindeutigen Weltanschauung heraus. Und ihre Ver״ mutungen über mein kompliziertes Seelenleben sind zwar sehr interessant, aber sie entsprechen nicht im mindesten der Wirk״ lichkeit; ich kann Sie im Gegenteil versichern, daß ich mich in diesem Punkte einer durchaus robusten Gesundheit erfreue. Darum hätten Sie wirklich nicht gleich Freud zu bemühen brauchen. Und vielleicht wäre es ersprießlicher gewesen, Sie hätten, anstatt phantastische Betrachtungen über die angeb״ liehen seelischen Hintergründe meiner hier garnicht zur Debatte stehenden Person anzustellen und sich den Kopf zu zerbrechen, warum ich dies oder jenes gesagt habe, manchmal ein wenig innegehalten und sich gefragt, was ich mit dem und jenem habe sagen wollen. Dann hätten Sie nämlich erkannt, daß diese Kritik bei aller Schärfe von innen heraus geschrieben, und daß sie aus Verantwortung geboren ist; und daß gerade die Stärke des Verantwortungsgefühls die Heftigkeit der Anklage rechtfertigt. Denn in einem haben Sie allerdings recht: ich leide in der Tat an einer unglücklichen Liebe zum Zionismus, oder sagen Sie besser: zum jüdischen Volk. Ich kann es mir nicht abgewöhnen, unter allen Verkleidungen jüdische Menschen zu sehen, Glieder des einen, unteilbaren Volkes, und den Weg einer jeden Er״ scheinung im jüdischen Volk, in welcher Form und unter wel״ eher Bezeichnung auch immer, mit Herzklopfen und atemloser Spannung zu verfolgen. Und ersl recht bei einer Bewegung, die nach innen und außen so repräsentativ geworden ist und so starke Wurzeln im Volke geschlagen hat, wie die zio״ nistische. Wenn ich daher, aufgefordert, an dieser Stelle über meine Eindrücke auf dem Kongreß zu berichten, diese meine Impressionen in einer Weise wiedergab, die Ihren Erwartungen nicht entsprach, so geschah das nicht aus dem kalten Raisonne״ ment eines unbeteiligten und innerlich gleichgültigen Zu״ Schauers, sondern aus der seelischen Bewegtheit eines, der