Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 473 (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Einfühlung in das Empfindungsleben der Tiere 473 diese doch eigentlich als Liwjathan und Behemoth dem Dichter des Buches Hiob die größten Wunder der Schöpfung sind. Der göttliche ,,Wagen“ in der Vision Jecheskeels, von jeher für die Ättributenlehre in Anspruch genommen, führt neben dem Antlitz des Menschen das Antlitz des Löwen, des Stieres, des Adlers. Die Erhabenheit Gottes über alles Hohe, daß Er der Hocherhabene ist, soll hier zum Ausdruck kommen. In dem Verse Ps. 103,19 ״der Ewige, im Himmel hat er seinen Thron errichtet, und sein Reich herrscht über alles“,38 oder zu dem Verse Ex. 15, 1 ״ich will singen dem Ewigen, denn Er ist hocherhaben,30 oder zu Ez. 1,10, der Schilderung des Angesichts der Chajoth10־ wird im Midrasch in verschiedenen Variationen der Gedanke abgewandelt, daß die Könige in den großen Ordnungen des Tierreichs חיה בהמה וערף der Löwe, der Stier und der Adler neben dem Menschen eine Herrschaft übernommen, daß ihnen eine Größe verliehen, und daß sie darum als Repräsentanten des Erhabenen an dem ,,Wagen“ ihre Stätte gefunden, alles aber nur, damit sie sich nicht überheben und dessen inne werden, daß eine Herrschaft des Hirnmels über ihnen ist. Änthropomorph ist diese Darstellung! Doch welche Tiefe in diesem Bilde von der Gleichordnung des Stolzes der Tiere mit dem Stolze des Menschen, wie innig das Verhältnis Gottes zu den Tieren, daß ihre Erhabenheit als Vorstufe Seiner Erhabenheit gedacht ist. Es scheint uns, als ob Bibel und .Midrasch in allen diesen Aeußerungen der Beziehungen zum Tier durchaus eigener Art sind. Es ist die Identifizierung mit dem Tiere verlassen, nur auf weiten Wegen können Spuren von Vorstellungen der Primitiven konstruiert werden, und es ist doch andererseits die verwandte Seite herausgehoben. Und das wiederum nicht als künstliche Einkleidung, wie sie uns etwa im ״Reineke Fuchs“ entgegentritt, sondern aus einer Beobachtung, die nur aus 38 Midrasch Tehillim ed. Buber, S. 417. 30 Ex. Rabba 23, 13. 40 Chagiga 13 b. 4