Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1929)
- Date
- 1929-09-01
- Page
- Seite 430 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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430 Die 2. Kenessio Gedaulo zu Wien. Tradition fest niedergelegt ist, solange kann am Wesen des Judentums nicht gerüttelt werden. Alle Versuche zu ihrer Verfälschung müssen sich über kurz oder lang entlarven. Sie mögen, getragen von Zeitströmungen, noch so große Werbekraft entfalten, es fehlt ihnen die Legitimation. Der Bruch mit der historischen Kontinuität kommt auf Schritt und Tritt ans Licht. Sie haben, wie alle Lügen, kurze Beine. Sie richten sich selbst. Schlägt man nur die Bibel auf, zerflattern sie vor jeder wahrhaftigen und ehrlichen Forschung. Noch nie hat eine Bewegung im Judentum ohne ihre Rechtfertigung aus der Geschichte des Judentums auskommen können, aber wenn sie an diese Geschichte appelliert, so wird diese ihre Richterin, ihr Todesurteil. Wie alle Pseudomessiasse in unserer Geschichte mit einer Farce endeten, so alle Neo- und Pseudo- Judentümer an ihrer inneren geschichtlichen Unwahrhaftigkeit. Die Sorge um die Reinhaltung des Wesens des Judentums hat uns die Thora abgenommen. Anders die Sorge um die Verwirklichung des Judentums, um seine Konkretisierung in feste Gebilde und Schöpfungen, um Stätten der Lehre, um Wege der Erziehung, um geeignete Mittel des Unterrichts, der Fortbildüng, um die materielle Ermöglichung der Hingabe an die großen ideellen Forderungen unserer Religion. Diese Sorge muß uns beschäftigen, uns erfüllen. Um ihretwillen müssen wir Verbände gründen, brauchen wir einen Zusammenschluß aller Juden. Ist der Zweckverband das Wesentliche, dann haben wir uns nicht mit der Frage zu quälen: Was sind wir, was unser Wesen? Sondern: Was haben wir zu leisten, welche Möglichkeiten zu verwirklichen? Dann haben wir unsere Kräfte zu prüfen und auf Grund dieser Prüfung uns zu fragen, welchen Arbeitsbereich können wir uns auf Grund dessen abgrenzen, dessen Durchführung, weil möglich, auch unsere religiöse Pflicht ist. Diese Frage ist leider noch völlig in den Hintergrund gerückt. Daher das praktische Versagen der A. J. Der Zionismus, obwohl er sich durchaus als eine neue Weltanschauung fühlt, fand es doch als das Gegebene, jede ideologische Formulierung zu vermeiden und nur auszu-