Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 416 (sequence 98)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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416 Der Züricher Kongreß. kräftigten Identität von Zionismus und Herzlscher Gedankenweit das Problem des Zionismus reduzieren auf das Problem des Mannes Herzl. Wer ist und was ist uns Theodor Herzl? In die Geschichte des jüdischen Volkes hat sich dieser Name unauslöschlich eingegraben. Noch viele Generationen werden von dem Bilde dieses Besessenen, Kühnen, der jene Mischung von abenteuerlicher Phantasie und stärkstem Reaiitätssinn besaß, die das Kennzeichen der Genies ist, dieses geistigen Grandseigneurs von unvergleichlichem Charme, bezaubert und fortgerissen werden. Die Geschichte seiner Wandlung, der adlige Gestus einer fast anachronistischen Gestalt im Milieu des Mauscheljudentums, sein Aufstieg und sein Tod bilden eine erhabene Legende 1ron zeitloser Klassik. Er hat ein verdämmerndes Volk wachgerüttelt, er hat ihm Selbstachtung und Lebenswillen eingeflößt, er hat Kontinente zusammengeführt und sie gezwungen, einen Traum zur Wirklichkeit zu machen. Sein Werk ist aus der Geschichte des Judentums nicht wegzudenken, und alles Lebenskräftige, das sich selbst im Gegensatz zu ihm entwickelte, verdankt seinen Ursprung den mächtigen Impulsen, die er streute. Immer wird Theodor Herzl zu den unvergeßlichen Gestalten unseres Volkes gehören. **Iber darf uns das alles hindern, seine Grenzen zu sehen, die ihm eng, sehr eng gezogen waren? Muß man darum einer im Grunde mediokren Natur jesaianische Bedeutung beilegen und seine Äeußerungen wie Bibelsprüche zitieren? Vergessen wir doch nicht, daß der Spürsinn dieses genialen Abenteurers, der gerade hinreichte, um in dem engen Bezirk des politisehen Parketts kleine Erfolge zu ernten, den großen, entscheidenden Fragen der Nation gegenüber vollkommen versagte; vergessen wir nicht, daß dieser seichte Vielschreiber nicht nur alles andere war als ein Denker, sondern daß er nicht einmal imstande war, die tieferen Gedanken anderer zu begreifen. Die Tagebücher eröffnen überraschende Einblicke in die kleinen Horizonte des Mannes, und welcher Mensch von Geschmack kann sich rühmen, Herzls Novellen jemals