Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 294 (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Rückwirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung usw. freiwillig und nicht aus Gleichgültigkeit, oder gar aus rein geistig - areligiöser Einstellung hat so ein großer Teil der Judenheit unserer Zeit auf unseren alten, heiligen, von Gott uns angeordneten Sabbath verzichtet. Nicht ohne seelischen Schmerz und tiefe Betrübnis werden täglich so große Scharen dem שבת קודש untreu. Wir aber, und mit uns Millionen unserer Volksgenossen, können und wollen nicht den Zustand als gegebene Realität der veränderten Umstände und der neuen Lebensart akzeptieren und tatenlos Zusehen, wie uns das teu״ erste Gut verloren geht. Weder können wir uns mit der zu keiner Aktivität verpflichtenedn Phrase מן השמיבם ירחמו begnügen, noch mit einem, dem Referenten seitens einer pro״ minenten jüdischen Persönlichkeit strengster Richtung empfoh״ lenen Rezepte begnügen, das besagt: ״Juden haben keine Fabrikanten zu sein, müssen nicht Kaufleute und Bankiers sein, sollen nicht Angestellte und Voyageure werden, dürfen nicht die Beamtenkarriere einschlagen, auch nicht freie Berufe er״ greifen. Schuster und Schneider sollen sie werden. Sie könn״ ten dann hinter geschlossenen Läden und verhängten Fenstern trotz Sonntagsruhegesetz am Sonntag arbeiten und den jüdi״ sehen Sabbath richtig feiern, wobei dann noch der große Nutzen sich ergibt, daß jüdische Kinder kein profanes Wissen sich aneignen werden, nicht einmal die Landessprache aus״ giebig pflegen müssen.“ . . . Nein! Wir können weder das Eine noch das Andere. Unsere Thora, unser Sabbath wie unser Judentum sind von Ewigkeitsdauer, von dauernder Verpflichtung und unter allen Umständen kategorischer Imperativ. Es ist wahr, heute ist eine ganze Welt gegen uns, die gesamte Weltwirtschaft gegen unseren Sabbath. Fast wäre es zum Verzweifeln. Aber verzwei״ fein ist nicht jüdische Art, Laisser״aller nicht des gesetzestreuen Juden Devise. Nur im Kreise des extremen Ässimilantentums konnte der Gedanke auf kommen, der Realität völlig Rechnung zu tragen und den Sabbath mit dem Landesruhetag zu ver״ tauschen. Die allgemeine Judenheit aber will nur den jüdischen überlieferten Sabbath erhalten wissen. In ihr lebt der Wille,