Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 292 (sequence 74)
- Language
- German
- Belongs to
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292 Rückwirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung usw. ,,non possumus“ entgegen, und tausende und abertausende gute jüdische Eltern sehen sich gezwungen — oft blutenden Herzens — ihre Kinder dem Dienste dieses neuzeitlichen Mo-׳ lochs zu opfern. Noch verheerender wirkt sich diese Entwicklung der Wirtschaft dadurch aus, daß dem Zwange der Verhältnisse gehorchend auch das jüdische Mädchen und oft auch die jüdische Frau erwerbstätig sein müssen und selten die Chance haben, sabbathfreie Beschäftigung zu finden. Da das Betätigungsfeld der Frau ein beschränkteres und sie auch weniger Widerstandsfähig ist, wird sie ehestens gezwungen, die ihr gestellten Bedingungen zu akzeptieren und den Sabbath preiszugeben. Ist aber erst die jüdische Frau oder die jüdische Tochter, die später jüdische Frau werden soll, der Sabbathheiligung und der Sabbathstimmung entrückt worden, ist ihr der Sabbath mit seiner Nachwirkung verloren gegangen, dann ist der Sabbath in den jüdischen Häusern unwiederbringlich vernichtet, der ganze Geist des Judentums von ihnen gebannt. In größeren jüdischen Zentren mit einem zahlreichen jüdischen Proletariat ist die Lage direkt eine verzweifelte. Sind noch für Büroangestellte, bei gewissem guten Willen und jüdischer Opferfreudigkeit der Prinzipale hie und da sabbathfreie Stellen zu besorgen, so ist es bei den Arbeitern fast absolute Unmöglichkeit. (Bei Drei-Schichtenarbeit könnte etwas in dieser Hinsicht gemacht werden, aber Unternehmungen mit solchem Vollbetrieb sind äußerst selten). Die Gründe sind bereits bei der Besprechung der Industrie angeführt worden. Selbst bei Einwirkung der Zulassung und Zustimmung zur Leistung von Ueberstunden stößt die praktische Durchführung dieser Arbeit auf große Schwierigkeiten. Nicht minder wichtig ist die Frage der Möglichkeit der Sabbbathheiligung für die in früheren Zeiten nicht existierende Schicht von jüdischen Staatsbeamten. Ein Produkt der Emanzipationszeit und der neuzeitlichen Erziehung, ein winziger Ersatz für so viele den Juden genommene Existenzen, für manchen eine Zuflucht, um gerade den Sabbath halten zu kön-