Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- Seite 286 (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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286 Rückwirkungen der wirtschaftlichen Entwicklung usw. und Geschäftsrentabilität, Existenz und Lebensweise standen mit der Frage der Sabbathheiligung in keiner Gegensätzlich״ keit. Hinzu kam noch der Umstand, daß bis zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Juden, infolge ihrer politisch-sozialen Iso״ liertheit, der Begrenzung ihrer Wohn״ und Handelsrechte unter besonderen eigenartigen, dem Sabbath aber günstigen Lebensbedingungen leben mußten. Daß die Umwelt meistens dem Handel abhold war und somit die Position des Juden als Kaufmann stärkte, was auch der Sabbathheiligung zugute kam, ist bekannt. Bedenkt man noch, daß die christliche Kauf״ mannschaft in den früheren Jahrhunderten besonders kon״ servative Geschäftspraktiken übte, und immer wieder über jüdische Konkurrenz (vgl. Werner Sombart in s. Werke: Die Juden und das Wirtschaftsleben, S. 136 ff.) und über jüdi״ sehe Geschäftsmethoden klagte, so ist leicht zu ersehen, daß die jüdischen Händler und Handwerker in Bezug auf Sabbath״ heiligung absolut keinen schweren Stand haben konnten. Land״ Wirtschaftler und Zünftler bereiteten der Sabbathheiligung ge״ wiß keine Schwierigkeiten. Dieser Zustand währte bis zu Beginn des 19. Jahr״ hunderts ungefähr, wo durch technische Erfindungen Ge״ werbe und Handel mit einem Schlage in neue Bahnen gelenkt worden sind. Nie geahnte Perspektiven öffneten sich damals der Handelswelt. Gütererzeugung und Warenkonsum konnten auf nie geahnte Weise gesteigert werden. Produktions״ und Transportanlagen nahmen gewaltige Dimensionen an. Das kaufmännische Wörterbuch wurde mit einer neuen Terminologie bereichert und neue Begriffe und Wertung von Arbeit, Euergie, Leistung, aber ganz besonders der Zeit kamen auf. Das Wort des bedeutendsten Handelsvolkes der Erde: Time is money, fand sein Echo in der ganzen Welt, und die in ungeahntem Tempo marschierende Entwicklung der Technik revolutionierte das ganze Wirtschaftsleben und dessen Struktur. Nicht das Großkapital war •2s, das diesen Umschwung und diese Umwertung aller ökonomischen Werte, aller kommer-