Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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escDurun 16. Jahrgang 5689 אייר—סיון Mai—Juni 1929 Heit 5/6 Die Prophetenlektüre im Religionsunterricht. von Dr. Philipp (Leipzig) Wir sind cs gewohnt, daß Kinder das, was ihnen die ältere Generation an religiöser Tradition überliefert, gläubig hinnehmen. Erst mit der beginnenden Reifezeit regen sich die ersten Zweifel. Später kommt dann für den heranwachsenden jungen Menschen, — dieses gilt gewiß nicht für alle Jugendlichen aber doch für viele — eine Zeit, wo er sich gegen jegliche Autorität auf lehnt; sein eigenes Wesen soll ihm Gesetz sein. Da nun jede positive Religion auf Autorität gegründet ist, auf den Glauben an ewig geltende Gesetze und auf den Willen, sich auf diese Gesetze zu binden, so entsteht leicht ein Konflikt des Jugendlichen mit seiner Umgebung, mit Eltern und Erziehern, wen diese ihn im Sinne der positiven Religion zu beeinflussen suchen. Es braucht nicht zu einem solchen äußeren Konflikt zu kommen, oft genug wird der Kampf in der Seele des Jugendlichen ausgetragen, ohne daß die Erwachsenen etwas davon ahnen. Der Sinn für das Geformte und fest Gefügte, für die ewigen Ordnungen, fehlt dem jungen Menschen; ihn fesselt das Leben in seiner Bewegtheit, den Sturm und Drang des eigenen Inneren will er da wiederfinden, wo er lieben, wo er verehren soll. So treibt es ihn, wenn er religiös veranlagt ist, zu den schöpferischen religiösen Geistern, nicht zu den großen priesterlichen Naturen, sondern zu den metaphysischen Suchern, den von mystischer Sehnsucht erfüllten. Verbindet sich seine religiöse Veranlagung mit einem starken ethischen Empfinden, dann zieht es ihn zu jenen Männern, die aus der Glut ihrer reli׳-