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Jeschurun · 1929-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1929) · p. Seite 104

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1929)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1929)
Date
1929-01-01
Page
Seite 104 (sequence 106)
Language
German
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104 Bücherbesprechungen Joint. Die Lösung der Ostjudenfrage in Osteuropa selbst! Jeder, der nicht nur mit platonischem Interesse an diese Frage herangeht* wird unbedingt diese Broschüre zur Hand nehmen müssen, die in übersichtlicher Form viel Material zusammenstellt. Man wird allerdings die Bitte aussprechen müssen, daß bei einer eventuellen Neuauflage dieser Broschüre die geistigen Grundlagen der Krimkolonisation, das geistige Leben innerhalb der jüdischen Kolonien stärker berücksichtigt werden, als es hier der Fall ist. Julius Carlebach. Kaulla. Der Liberalismus und die deutschen Juden. Duncker und Humblot, München und Leipzig 1928. Die Kenntnis dieses Nicht Juden von der soziologischen Beschaffenheit der deutschen Judenheit ist zu bewundern. Gegen ÄssimLlation in den jüdischen Reihen und gegen den Äntisemitismus im deutsch-konservativen Lager richtet sich dieses Buch eines Konservativen. In einer Zeit, in der auf liberalen Tagungen die Höher- Wertung des liberalen Judentums betont wird, wird die Stellung eines Nichtjuden zum jüdischen Liberalismus im gesetzestreuen Lager besondere Beachtung finden. Wertvoll ist das Kapitel, in dem Kaulla die Bedeutung der religiösen Form aufzeigt und den Weg aufdeckt, der vom Äufgeben der Form zur Äbkehr von der jüdischen Gemeinschaft führt. Das Buch enthält viele, außerordentlich interessante Gedankengänge über die Psychologie des Äntisemitismus, des Liberalismus, über Begriffe wie Nation, Emanzipation u. ä. läßt jedoch einen straffen geschlossenen Äufbau vermissen. J. C. Ludwig Ferd. Clauss: Von Seele und Antlitz der Rassen und Völker. J. F. Lehmanns Verlag München 1929. Geh. 10.— Geb. 13 — Eine neue Methode der Rassenforschung wird gegeben: unter den Individuen einer Gruppe die ,/Typen‘4 zu schauen und ihre gruppencharakteristischen Seelenmerkmale aus Äntlitz und Körperhaltung herauszulesen. Ein genialer Beobachter hat dies Buch geschrieben; und in der Genialität des Verfassers liegt auch die Beschränkung seiner Lehre auf ein Einmaliges und Einzigartiges. Clauss’ System beruht auf Intuition. Und Intuition ist wohl Änstoß, Probleme zu sehen und sie zu bearbeiten, nicht aber heuristische Methode von allgemeingültigem Wert. Clauss überzeugt nicht mit Beweisen, sondern durch künstlerische Beobachtungsgabe. Was uns Juden angeht, die wir Objekte politischer Rassenforschung noch immer sind: Zufällig ist dies Buch kein antisemitisches Standardwerk; aber irgend ein Böswilliger könnte mit genau so viel System eines schreiben, stünde seine Intuition nicht, wie bei Clauss, im Dienste einer nur auf Wahrheitsfindung bedachten Persönlichkeit. Moritz Michaelis.

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