Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1929)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1929)
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ethische Vergleiche 35 selbe zu seinen Lehren bekehrt. Die jüdische Anschauung konnte von den Lehren der neuen Religion nicht beeinflußt werden und sie ist auch nicht beeinflußt worden; sie ist um so weniger davon beeinflußt worden, als die jüdische Grundanschauung vom Leben, durchaus verschieden von der des Christentums, hinsichtlich der Kultur der Welt ganz entschieden als die durchaus glücklichere angesehen werden muß, ein Nachweis, den gerade unsere Betrachtung erbringen soll. Dabei ist von vorneherein auf ein sehr bedeutungsvolles Moment hinzuweisen. Das Christentum ist nach seinen Lehren der Welt des Diesseits absolut abgewandt. Die Welt des Hieniedens erscheint ihm in seinen Grundschriften durchaus als eine Welt des Fleisches, während das von seinem Stifter gepredigte Leben eine Welt des Geistes, des Jenseits, die Welt des Himmelreiches darstellt. Das Christentum hat später, als es zur Staatsreligion, zunächst im Römerreich, erhoben wurde, mit den Mächten der Erde seinen Frieden gemacht, ohne etwa mit Bewußtsein seine Grundlehren zu verleugnen. Diese Grundlehren des Christentums aber, — wir werden noch davon zu sprechen haben I — die nie und nimmer diese Welt des Hieniedens anzubauen vermöchten, wurden in das Kloster, in die Einsamkeit verwiesen, um dort ihre fortdauernde Kultur zu finden. Das wahre Christentum seiner Grund- Schriften verwirklicht sich demgemäß nicht im Leben der Oeffentlichkeit, sondern im Kloster. Die Bekenner des Christentums sind davon überzeugt, daß der wahre Christ nur im Kloster lebt, und bedeutende Männer der alten und der neueren Zeit haben sich vor ihrem Tode in das Kloster zurückgezogen, damit sie, wenn sie auch nicht als wahre Christen leben konnten, so doch wenigstens als wahre Christen sterben möchten. Wir brauchen ja nur an Kaiser Karl V. zu erinnern oder an den Fürsten von Löwenstein, die in hohem Älter noch als Mönche in das Kloster eintraten. Daraus ergibt sich nun aber eine weitere Tatsache, daß im