Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 572 (sequence 100)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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572 Bücherbespreehungen Leben und Wirken R. Meirs in wenigen Strichen gezeichnet hat, erfahren wir einiges Wichtige über die politische Stellung der Juden in Deutschland und den Nachbarländern. Den Hauptteil der Arbeit bildet die Darstellung des inneren Lebens, von dem sämtliche Zweige eingehend behandelt sind. Zur Vervollständigung des Materials war der Verfasser in dem Abschnitt, der dem Großhandel gewidmet ist, gezwungen, auch andere Gutachten aus dieser Zeit zu verwenden. — Es ist zu wünschen, daß die allgemeine Einlei״ tung, die nicht in diese Veröffentlichung auf genommen wurde, an anderer Stelle der Allgemeinheit zugänglich gemacht werde. J. U. Martin Buber: die chassidischen Bücher״ Verlag J. Hegner in Hel״ lerau. Es ist ein großes Werk und ein hoher Dienst, dem Buber den Hauptteil seiner Schaffenskraft gewidmet hat und in dieser Zusam״ menfassung seiner chassidischen Schriften tritt uns die Größe der Leistung nur noch stärker vor Äugen. So begreifen wir auch, wenn ein Schriftsteller wie Hermann Hesse die ״chassidischen Bücher"' als das schönste Buch des ganzen Jahres bezeiehnete. In der Tat ist die vorher so vernachlässigte jüdische Mystik unter Bubers feinen Künstlerhänden zu einer -liebevoll betreuten Königstochter geworden. Und doch legt diese Bilanz des Schaffens zweier Jahr״ zehnte dem jüdischen Leser ernsthafte Fragen auf. Wie weit sind diese Geschichten und Erzählungen des Nachdichters Werk, wie weit haftet an ihnen die Treue des Originals. Nicht um das Wissen von der Grenze ist es uns damit zu tun, sondern um die Rechenschaft des Lebens vor dem Lebenswerk. Und ferner, wenn auch aus allen diesen Geschichten, die das Leben gottverbundener Menschen er״ zählen, eine unsagbare durchgeistigte Schönheit, eine tiefe Reli״ giösität atmet, so fragen wir doch nach den Gesichtspunkten, nach denen sie B. aus seinem Material auswählte. Wir vermissen eine zusammenfassende Darstellung der spezifisch-religiösen Praxis jener Großen, es fehlt uns jener grandiose Begriff von der ״Einung zwischen חקב״ה und Seiner שכינה, die jede auf Gott gerichtete Mizwah zur Folge hat. Und doch hat gerade auch diese Schöpfung eine fruchtbare Synthese gebildet zwischen der Strenge und Treue des rabbinischen Judentums einerseits und dem Ueberschwang ein״ zelner Zaddikim andererseits. Ein Geleitwort Bubers führt aus, daß der Chassidismus sich unbewußt gegen Spinoza wende mit der Lehre ״von der Weitverbundenheit des Menschen in Gottes Angesicht“ und den Pseudomessianismus überwinde in dem unpersönliehen Wirken an und in der Welt, dem Zeichen echter Messianitat. Wir bedauern, daß bei B. doch wieder das christologische