Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 566 (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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566 Bücherbesp rechungen Bücherbesprechungen. Ditlef Nielsen, Der Geschichtliche Jesus, Meyer u. Jessen München 1928. Mit Hilfe der literarischen Textkritik des N. T. und der vorderasiatischen Altertumswissenschaft hat der dänische Gelehrte ein Bild des Stifters des Christentums gezeichnet, dessen besonderer Wert sicher weniger in der Neuheit einzelner Züge liegt als in der charaktervollen Ärt, in der das Ganze erfaßt ist. Denn bei aller Wärme, mit der das Buch geschrieben ist und die es,; besonders im letzten Teil, des wissenschaftlichen Charakters fast entkleidet, hält es sich doch frei von der sentimentalen Schwärmerei anderer Autoren, die das Wesen des ״Menschensohnes“ zu ermittein suchten. So entsteht ein Bild, das befreit ist von der Dogmatik der Jungfrauengeburt, Trinität, von Mysterium und Wunder, ein Bild, das dem Christentum zu vermitteln nach dent Verfasser Ziel einer neuen Reformation sein sollte. Dem Judentum sucht der Verfasser, wenn nicht Liebe, so doch Gerechtigkeit entgegenzubringen. Er übersieht freilich, daß die größte ״Liebesbotschaft“ bereits in der Thora ausgesprochen wurde, und daß deren großartige soziale Gesetzgebung die Probleme der Ärmenfürsorge voll und ganz erfaßt, daß ferner den Gedanken des Weltfriedens und Völkerbundes in seiner Erhabenheit kein anderer als Jesaja der aufhorchenden Welt kündete. Auch den Nationalhaß verknüpft N. zu unrecht mit der jüdischen Religion. Zahllose Bibelstellen, wie überhaupt die unitarische Tendenz der Propheten beweisen das Gegenteil. So ist der Gott Israels auch keineswegs ein Nationalgott, sondern vielmehr nur von einer Nation bis zum prophetischen Zeitalter in seiner Einheit erkannt, eine geistige Leistung,? deren Größe auch N. vorbehaltlos würdigt. Auch rückt er scharf ab von jener Legende, die sich an das Ende Jesu knüpft, um derentwillen zwei Jahrtausende Ströme jüdischen Blutes geflossen sind. Dafür aber macht er das Judentum zur ״fossilen Religion“. Den Essäer Johannes macht N. wegen seines ״Gewaltstandpunktes“ zum Repräsentanten des Judentums. Das Glaubenbekenntnis der jüdischen ״Gesetzesreligion“ ist kein Gebot, wie es der Verfasser als ״natürlich“ annimmt, sondern das ״Schema“ gebet. Auf wessen Konto setzt Verfasser, der von den niederen Formen und vom gewaltsamen Apparat der jüdischen Religion, von Religionskriegen spricht, die furchtbaren Religionskriege des Mittelalters? Und wie deutet er, von der Ablehnung der ״Buchstabenreligion der Pharisäer“ durch Jesus sprechend, dessen Ausspruch über die UnVergänglichkeit auch nur eines Buchstabens der heiligen Lehre? Wie ist bei der