Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 15 (1928)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1928)
- Date
- 1928-09-01
- Page
- Seite 559 (sequence 87)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Passauer JudenprozeB 1478 559 den Verkauf der Hostien an die Passauer Juden zum ersten Male aktenmäßig bekannt gemacht. Im Geständnis der Juden stimmen Bericht und Privatmitteilung überein. Auch hier gestehen die Juden den Kauf und die Versendung der Partikel sowie die Beschädigung mit einem Messer ein. Auch hier wird betont, daß man bisher von den Juden den Verbleib der Hostien nicht erfahren konnte und daß die Befragten ganz verstockt seien. Immerhin sind einige Abweichungen vorhanden. Geringfügig ist, daß statt des Zerschneidens der Hostien hier vom Stechen die Rede ist. Während Frießhaimer das Bluten der Hostien meldet, wird nur von Einem Blutstropfen gesprochen, und die Juden sahen ein ״Antlitz“. Im allgemeinen haben wir also noch den Stand des Prozesses, wie er am 16./17. Februar war. Nur in einem ist ein Fortgang des Prozesses festzustellen. Im Briefe Frießhagmers heißt es, daß viele Juden nichts sagen wollen, jetzt gesteht die Mehrzahl das Verbrechen ein. Wäre schon am 16./17. Februar von den Meisten — es handelte sich ja nur um zehn Gefangene — ein Geständnis abgelegt worden, so hätte sich Frießhagmer anders ausgedrückt. Die zweite Auskunft, die von Passau aus den Regensbürgern ward, geschah in Form einer Uebersendung der im Prozesse gemachten Geständnisse. Stillschweigend ist dabei das Schreiben des Passauer Marschalls über den Regensburger Juden Sundei berichtigt. Es ist ausgeschlossen, daß dieser ausführliche Bericht über die Geständnisse Christophs und der Juden nur nach Regensburg geschickt wurde. Er dürfte ebenso nach Prag, Salzburg und Neustadt, wohin nach den Geständnissen die Hostien verkauft wurden, gesandt worden sein. Auch sonst ist er sicherlich zur Rechtfertigung verbreitet worden. Zweifellos hat ihn auch Kaiser Friedrich erhalten. Ein solcher Bericht, ist im Kloster Ebersberg kopiert worden und wird, wie bereits erwähnt wurde,1 in einer Handschrift der Münchener Staats- 1 S. 553.