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Jeschurun · 1928-03-01 · Heft 3-4 (März 1928) · p. Seite 237

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
15 (1928)
Issue
Heft 3-4 (März 1928)
Date
1928-03-01
Page
Seite 237 (sequence 120)
Language
German
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Wunderbares im Alltäglichen 237 man den weisen Sokrates nach seiner Meinung über die Bücher des Heraklit fragte, antwortete er: »Vieles darin habe ich verstanden und das war wunderbar schön und köstlich, und von dem, was ich nicht verstanden habe, denke ich, dass es wohl ebenso wunderbar sei wie das, was ich verstanden habe; nur mein Verstand war zu schwach, alles zu erfassen.“ (Diog. Laertius II. 22). Wenn schon bei menschlicher Weisheit dieser Masstab angebracht ist, um wie viel mehr wohl erst, wenn es sich um der Allmacht Weisheit handelt. Dies auch der Sinn des Talmudwortes: כי לא דבר ריק הוא מכם »denn die Thora ist kein leeres Wort für euch, sie ist euer Leben“: ואם רק הוא מבס הוא »Wenn aber je es euch scheint, als ob etwas zu bemängeln wäre, so könnt ihr sicher sein, dass dieser Mangel nur euch selbst anhaftet.״ — Wir sind von Wundern umgeben: Wunder im Schosse der Erde, am leuchtenden Firmament, in den Tiefen des Meeres, auf dem Gipfel der Berge, im Eise des Pols und unter Tropensonne. — Was wimmelt da am Meeresstrand? Sind es nicht tausende kleiner Schnecken, die in’s Meer laufen? Nein, es ist der Einsiedlerkrebs, der sich, da sein Hinterleib nicht mit einer Schale bedeckt, in leeren Schneckenhäusern einmietet. Was für ein Armkranz unter den Beinen dort? Es ist die Mantel-Seerose, mit der er in Symbiose lebt. Versucht ein Tintenfisch den Krebs aus der Schneckenschale herauszuziehen, was ihm wohl leicht gelingen würde, so senken sich die Nesselfäden der Adamsien, die sich an der Schale festgesaugt, auf den Arm des Gegners und brennen ihn, bis er den Krebs freigibt. Die Seerosen wollen den Ort wechseln und verbinden sich deshalb gern mit dem Einsiedlerkrebs, den sie dafür ihrerseits bei Gefahren schützen. — Eine Ozeanfahrt in stiller Tropennacht! Die Wellen gehen auf und nieder. Ein Gleichnis für das Leben der Völker und das Leben des Einzelnen. Doch •sieh! Die sich überstürzenden Wellen lösen sich in einen Feuerregen auf. Aus jeder Welle leuchtet ein phosphorisches <3rün. Unsres Bootes Kiel scheint durch gTüne Flammen zu gleiten und silberne Funken sprühen an den Bug. Wir er-

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